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Fünf Fragen an Dr. Cristina Verones

Eidgenössiches Departement für auswärtige Angelegenheiten

15.02.2021

Am 22. Februar 2021 (12 bis 13 Uhr) ist Frau Dr. Cristina Verones der fünfte Gast in unserer Gesprächsreihe “Völkerrechtslunches“. Frau Dr. Cristina Verones ist Diplomatin für die Schweiz.

In insgesamt zwölf Online-Gesprächsterminen laden wir völkerrechtliche Expert*innen aus der Praxis zu einstündigen Gesprächen ein, in welchen sie in ihren Werdegang sowie ihre jetzige Tätigkeit Einblick gewähren. Anschließend haben Studierende und andere Interessierte die Gelegenheit, Fragen zu Karriere und Tätigkeit zu stellen (der Veranstaltungshinweis und das Programm sowie die Zugangsdaten für Zoom finden sich hier). 

Bereits im Vorfeld stand Frau Dr. Cristina Verones uns Rede und Antwort:

 

Warum haben Sie sich für eine völkerrechtliche Karriere entschieden?

Als Diplomatin ist meine Karriere nicht vollständig völkerrechtlich. Aber die diplomatische Arbeit ist natürlich oft eng mit dem Völkerrecht und völkerrechtlichen Fragen verbunden, was auch eine meiner Motivation für die diplomatische Karriere war. Mich haben der internationale Austausch und die Zusammenarbeit unter Staaten seit dem Studium der internationalen Beziehungen interessiert. Dort kam ich auch erstmals mit dem Völkerrecht in Berührung und es hat mich sofort fasziniert. Ich mochte dabei sowohl die analytische wie auch die kreative Komponente bei völkerrechtlichen Problemlösungen. Ich besuchte fortan so viele völkerrechtliche Vorlesungen wie möglich, machte einen LLM und anschliessend ein Doktorat in Völkerrecht. Und ich bin froh, dass ich auch heute noch regelmäßig mit dem Völkerrecht in Berührung komme, bzw. selber durch Verhandlungen zum Völkerrecht „beitrage“.

 

Was macht das Völkerrecht für Sie besonders?

Besonders spannend beim Völkerrecht finde ich die dünne Linie zwischen „Recht“ und „Politik“. Das Völkerrecht ist – meiner Meinung nach stärker als andere Rechtsgebiete – stark mit der (internationalen) Politik verbunden. Das Völkerrecht ist so vielen, sehr unterschiedlichen politischen Einflüssen aus aller Welt ausgesetzt und wird davon auch geformt. Das macht das Völkerrecht zu einem ganz speziellen Fall. Und meiner Meinung nach einem besonders interessanten Rechtsgebiet. Die notwendige Zusammenarbeit mit anderen Ländern, bzw. anderen Rechtssystemen und Rechtsverständnissen trägt dabei noch zur Attraktivität aber auch zu seiner Komplexität bei.

 

Was ist die größte Herausforderung für das Völkerrecht im 21. Jahrhundert? 

Das ist meiner Meinung nach die Umsetzung. Es gibt viele völkerrechtliche Normen, aber bei der Umsetzung hapert es bisweilen gewaltig. Das liegt m.E. unter anderem auch an der momentanen Schwäche des Multilateralismus, der von einigen Staaten aktiv angegriffen und unterlaufen wird. Wer nicht daran glaubt, dass globale Probleme gemeinsam mit anderen Staaten angegangen werden müssen, der hat in der Regel auch weniger Interesse daran, völkerrechtliche Normen einzuhalten oder gar zu verteidigen.

 

Welche (überraschende) Fähigkeiten benötigen Sie für Ihren Beruf?

Kreativität für die Lösungsfindung (i.e. Formulierung eines Paragraphen) und ein feines Ohr beim Zuhören (um genau zu verstehen, um was es den Kollegen aus den anderen Staaten genau geht).

 

Was würden Sie Ihrem 20-jährigen ich gerne sagen?

Es ist richtig, wenn du das machst was dich interessiert und dir Spaß macht. Letztlich ist später jede Erfahrung für irgendetwas gut.

 

Informationen zum Zoom-Meeting:
URL: https://mpil.zoom.us/j/93881793738
Code: 717220

Autor/in
Lukas Kleinert

Assessor Lukas Kleinert, Master Droit, LL.M. war bis vor kurzem Rechtsreferendar am OLG Hamburg. Er ist seit 2018 Mitglied der Redekation des Völkerrechtsblogs.

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Matthias C. Kettemann

Matthias C. Kettemann ist Forschungsp­rogrammleiter am Leibniz-Institut für Medienforschung | Hans-Bredow-Institut (HBI), Forschungsgruppenleiter am Humboldt-Institut für Internet und Gesellschaft, Berlin und am Sustainable Computing Lab der Wirtschaftsuniversität Wien und Vertretungsprofessur für Völkerrecht an der Friedrich-Schiller-Universität Jena.

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