Wirtschaftssicherheit-Europäische Selbstbehauptung in Zeiten geoökonomischer Rivalität
Akademische Leitung: Prof. Dr. Till Patrik Holterhus und Prof. Dr. Lisandra Flach
Gastgeber: Bundesministerium für Wirtschaft und Energie / Auswärtiges Amt
5. Februar 2026, Europasaal, Auswärtiges Amt, Berlin
Konzept
In der derzeitigen geopolitischen, insbesondere geoökonomischen Krisenlandschaft steht die internationale
(Rechts-)Ordnung unter Druck. Dies gilt auch für die pluri- und multilaterale Wirtschafts(rechts)ordnung, die mittlerweile erhebliche Erosionen aufweist. Für die Europäischen Union (EU) und die Bundesrepublik Deutschland, die ihr Wirtschaftssystem bisher maßgeblich auch auf diese offene und regelbasierte globale Ordnung stützten, wirkt sich dies in erheblichem Umfang auf ihre Sicherheits- und Wirtschaftsinteressen aus. Verstärkt wird dies durch die Zunahme der systemischen Rivalität im Verhältnis zu China, welches wirtschaftlich und technologisch rapide aufsteigt. Wesentliche Sicherheitsinteressen liegen dabei in den Bereichen der europäischen Wirtschaft und der internationalen (Wirtschafts-)Beziehungen. Diese den Bereich der Wirtschaft betreffenden internationalen Sicherheitsinteressen werden gemeinhin unter dem Begriff der »Wirtschaftssicherheit« diskutiert. Zwei unterschiedliche aber gleichsam relevante Dimensionen der Wirtschaftssicherheit sind insoweit zu unterscheiden – beim Begriff der Wirtschaftssicherheit spielt die Wirtschaft nämlich nicht nur als Gegenstand, sondern auch Instrument von Sicherheitsinteressen eine bedeutsame Rolle. Einerseits ist die Absicherung der deutschen
und europäischen Wirtschaft im Sinne eines De-Risking gegen Abhängigkeiten von außen, als Sicherung unseres wirtschaftlichen Wohlstands in den Blick zu nehmen (Sicherheit der Wirtschaft). Andererseits geht es um die Frage, ob und wie die Bundesrepublik Deutschland und die EU ihre durchaus erheblich vorhandene wirtschaftliche Macht zum Schutz ihrer außen(wirtschafts)politischen Sicherheitsinteressen effektiv einsetzen sollte (Sicherheit durch Wirtschaft).
Nur in der Kombination beider Aspekte sind die Bundesrepublik Deutschland und die EU in der Lage, aus einer Position der wirtschaftlichen Resilienz, technologischen Souveränität und Wettbewerbsfähigkeit heraus an der (Neu-)Formung der internationalen (Wirtschafts-)Ordnung mitzuwirken und sich v.a. selbstbestimmtes außen- und innenpolitisches Handeln zu sichern. Trotz dieser weitestgehend unumstrittenen Prämisse ist gleichwohl zu konstatieren: In ihrem gegenwärtigen Zustand sind die Bundesrepublik Deutschland und die EU von dem gewünschten Soll-Zustand der Wirtschaftssicherheit noch ein gutes Stück weit entfernt. Vor dem Hintergrund der begonnen EU-Legislaturperiode 2024-2029 und einer neu formierten Europäischen Kommission sowie einer im Jahr 2025 ins Amt getretenen Bundesregierung möchte sich das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie gemeinsam mit dem Auswärtigen Amt den verschiedenen Bedingungen und Mechanismen einer gelingenden deutschen und europäischen Wirtschaftssicherheit im Rahmen einer wissenschaftlichen
Konferenz widmen und so auch einen wichtigen Beitrag zu dem im Koalitionsvertrag verankerten Ziel einer nationalen Wirtschaftssicherheitsstrategie leisten. Dabei sollen sowohl juristische (insbesondere verfassungs-, unions- und völkerrechtliche) wie auch ökonomische und politikwissenschaftliche Perspektiven in den Blick genommen werden.
Donnerstag – 5. Februar 2026
09.30-10.00 Anmeldung und Empfang
10.00-10.30 Begrüßung und Keynote durch die Gastgeber (AA, BMWE)
10:30-11.30 Panel 1 – Grundlegende Konzepte von Wirtschaftssicherheit & Geoökonomie Themen: Begriff und Aufgaben der Wirtschaftssicherheit; Sicherheit der/durch Wirtschaft; Wechselspiel von wirtschaftlicher und militärischer Sicherheit (Rüstung usw.); hybride Bedrohungen; Wirtschaftssicherheit als Imperativ des Unionsrechts (Unionszielbestimmung, Art. 3 V, 21 EUV); Wirtschaftssicherheit und vertikale Kompetenzordnung der EU (Abgrenzung Außenwirtschaftspolitik und GASP, Binnenmarkt, Industrie, mitgliedstaatliche Souveränität); Wirtschaftssicherheit und horizontale Kompetenzordnung der EU; neue Wege der übergreifenden
Zusammenarbeit; Zeitenwende als »constitutional moment« der Wirtschaftssicherheit
Impuls: Prof. Dr. Till Patrik Holterhus (JUR)
Diskussion: Prof. Dr. Guntram Wolff (OEC), Dr. Alexander Lücke (BMWE), Dr. Stormy Mildner (POL)
11.30-12.00 Kaffeepause
12.00-13.00 Panel 2 – Ökonomische Resilienz
Themen: Geoökonomische Spannungen, der Aufstieg des Protektionismus und nicht-marktwirt-
schaftlicher Praktiken, sowie Europas Verwundbarkeit gegenüber globalen Risiken. Wie kann
die Wirtschaftssicherheit in Europa und gleichzeitig die Wettbewerbsfähigkeit der europäi-
schen Industrie gestärkt werden? Wie zentral ist das Risiko sinkender Wettbewerbsfähigkeit?
Im Mittelpunkt steht dabei die Analyse von Risiken und Strategien zur Reduzierung wesentlicher
Abhängigkeiten.
Impuls (10min): Prof. Dr. Lisandra Flach (OEC)
Diskussion: Prof. Dr. Julian Hinz (OEC), Prof. Dr. Peter-Tobias Stoll (JUR), Dr. Andreas Nicolin
(BMWE)
13.00-14.00 Mittagsimbiss (Buffet mit Hochtischen)
14.00-15.00 Panel 3 – »Protect without protectionism« – Wirtschaftssicherheit als Schutz des Binnen-
marktes
Themen: Strategisches Risikomanagement von EU und Mitgliedstaaten; Marktresilienz durch EU-Industriepolitik und regulatorische Paradigmenwechsel (Art. 173 AEUV, Förderung strategischer Sektoren, Infrastruktur und Hochtechnologie; Resilienz kritischer Lieferketten, z.B. Rüstung, Energie, Rohstoffe, Halbleiter; Wettbewerbs- und Beihilfenrecht »Champions statt Markt?«); Unilaterale außenwirtschaftsrechtliche Schutzinstrumente (TDI, FSR, IPI, DMA, ACI, Investitionsprüfung Inbound und Analyse zu Outbound usw.)
Impuls (10min): Prof. Dr. Marc Bungenberg (JUR)
Diskussion: Prof. Dr. Christoph Herrmann (JUR), Prof. Dr. Markus Krajewski (JUR), Dr. Laura von Daniels (POL)
15.00-15.30 Kaffeepause
15.30-16.30 Panel 4 – »Economic power« – Welthandelsordnung, geoökonomische Macht und Europas Weg zur internationalen Wirtschaftssicherheit
Themen: Welthandelsordnung; Systemwettbewerb; »ökonomische Unverzichtbarkeit« der EU; wirtschaftliche Abschreckungspolitik jenseits der Reziprozität?; Global Gateway für Partnerschaften und Markterschließung; Soft Power und Hard Power; völkerrechtlich zulässiger Ein-
satz geoökonomischer Instrumente; Geoökonomie und regelbasierte Handelsordnung (insbesondere WTO); multi-, pluri- und bilaterale Gestaltungsmacht (insbesondere wirtschaftsvölkerrechtliche Verträge als internationales Gestaltungsinstrument (FTAs, sektorale Abkommen
usw.)); unilaterale außenwirtschaftsrechtliche Gestaltungsinstrumente (Wirtschaftssanktionen; Outbound-Investitionen, Exportkontrolle/-beschränkung)
Impuls (10min): Prof. Dr. Ralph Ossa (OEC)
Diskussion: Prof. Dr. Christian Tietje (JUR), Oliver Rentschler (AA), Peter Sandler (KOM)
16.30-17.00 Verabschiedung durch die akademische Leitung