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34. Tagung des Jungen Forums Rechtsphilosophie

Künstliche Intelligenz, menschliche Jurisprudenz

Call for Abstracts

Am 17. und 18. September 2026 findet die 34. Tagung des Jungen Forums Rechtsphilosophie (JFR)an der Universität Zürich statt. Mit diesem Call for Abstracts laden wir interessierte, nicht-habilitierte Wissenschaftler:innen aus allen Bereichen der Rechtswissenschaft und aus angrenzenden Disziplinen wie der Philosophie, Psychologie, Soziologie, Politikwissenschaft und Informatik dazu ein, mit ihrem Beitrag an unserer Tagung teilzunehmen.

Das Tagungsthema

Künstliche Intelligenz ist spätestens seit Lychnopolis – der Stadt der lebenden Lampen – in Luki-
ans «Wahren Geschichten» aus dem 2. Jh. n. Chr. ein klassischer Topos der Science-Fiction-Lite-
ratur. Inzwischen ist sie in unserem Leben längst angekommen: Innerhalb von wenigen Sekunden
kann KI Aufgaben erledigen, die früher das koordinierte Zusammenspiel einer grossen Anzahl von
Menschen über einen längeren Zeitraum hinweg erfordert hätte. Selbstdenkende und lernende
Maschinen lösen in uns eine Vielzahl von Gefühlen aus. Wir blicken mit Freude auf die zahlreichen
Fortschritte, seien es bessere medizinische Behandlungsmethoden, neue Konsumgüter der Un-
terhaltungsindustrie oder Erleichterungen im Alltag. Andererseits fordert uns KI heraus, weil sie
inzwischen Ungeheuerliches zu leisten vermag. Ein Mausklick genügt und ganze Bibliotheken
werden fabuliert, Vergangenheiten retuschiert und demokratische Prozesse gefährdet oder gar
manipuliert. Diese Ambivalenz lässt uns mit vielen, teilweise existentiellen Fragen zurück: Kann
die menschliche Gesellschaft mit KI-basierter Entwicklung Schritt halten? Wie wird KI unser Le-
ben verändern? Ist KI – oder die scheinbare Allmacht, die sie einzelnen Exponent:innen gewährt –
gefährlich und wird sie uns in eine Abhängigkeit treiben? Und schliesslich: Wie intelligent ist KI
eigentlich, auch im Vergleich mit uns Menschen?

Die rasanten Entwicklungen rund um KI fordern uns somit auf, über uns selbst zu reflektieren. Und unsere Lebenswelt scheint sich in naher Zukunft in fundamentaler Weise zu verändern, was insbesondere rechtlich abgebildet und gefasst werden muss. Unter diesem Leitthema lassen sich
aus einer rechtsphilosophischen, -theoretischen und -soziologischen Perspektive eine Vielzahl
an Folgefragen stellen:

  • Reflektionen über die Entwicklung von KI: Was ist unter KI zu verstehen? Welche Prinzipien sollen ihre Entwicklung anleiten und welche Überwachungsmechanismen sollen
    eingerichtet werden? Welche Akteure dürfen über die Ziele und Grenzen von KI bestim-
    men? Inwiefern und zu welchem Zweck soll uns KI eigentlich unterstützen? Was bedeutet
    es für unser Menschenbild, wenn KI zunehmend in Domänen vordringt, die einst als ge-
    nuin menschlich galten – von alltäglichen Prozessen bis hin zur zwischenmenschlichen
    Kommunikation? Und was produziert KI genau genommen: Wissen, Informationen – oder
    etwas anderes?
  • KI und Demokratie: Inwiefern werden Demokratien durch das Phänomen der KI heraus-
    gefordert, etwa indem mit ihrer Hilfe Meinungsbildungsprozesse beeinträchtigt werden
    oder weil der Gesetzgebungsprozess mit dem technischen Fortschritt nicht Schritt halten
    kann? Inwiefern ist es hinzunehmen, dass einige wenige Tech-Konzerne, Organisationen
    und Fachpersonen Standards vorgeben, die durch einen im Vergleich weniger versierten
    Gesetzgeber übernommen werden (müssen)? Wie kann sichergestellt werden, dass KI im
    Sinne des Gemeinwohls eingesetzt wird? Und sind Staaten überhaupt noch in der Lage,
    transnational auftretende Herausforderungen wie die KI-Revolution zu meistern? Müssen
    neue Grund- und Menschenrechte konzipiert werden, um Menschen vor Manipulation
    und Verobjektivierung zu schützen?
  • KI und Recht: Wie wird unser Konzept des Rechts durch KI verändert? Wie verändert sich
    der Rechtsberuf und der Rechtsalltag durch KI? Ist Automatisierung von Jurisprudenz
    überhaupt zulässig, gar wünschenswert? Wie verträgt sich probabilistisches Lernen mit
    der Struktur von Rechtsregeln und der Logik der Rechtsanwendung? Wie ist die akademi-
    sche (Rechts-)Ausbildung anzupassen, um das Potential künstlicher Intelligenz fruchtbar
    zu machen und gleichzeitig negative Auswüchse zu vermeiden? Welche juristischen Kern-
    kompetenzen müssen (weiter-)entwickelt werden?
  • Praktische Anwendungsfelder: Wo wird KI schon angewendet? Wie ist die Vielzahl von
    Anwendungsmöglichkeiten (z.B. Verkehrswesen, Medizin, Bildung, soziale Medien, aber
    auch (teil-)autonome Waffensysteme) zu regulieren? Was sind mögliche Gefahren von KI,
    etwa in Bezug auf Datenschutz, Privacy und Profiling? Ist der urheberrechtliche Schutz
    neu zu konzipieren, um den neuen Möglichkeiten KI-generierter Inhalte Rechnung zu tra-
    gen? Wer trägt die Verantwortung für die Entscheidungen einer autonomen Maschine und
    wie sind Haftungsmechanismen für fehlerhafte KI auszugestalten?

Aufruf zur Einreichung und Auswahlkriterien

Das Junge Forum Rechtsphilosophie lädt ein, die genannten Fragen und verwandte Themen aus
der Perspektive der Rechtsphilosophie sowie angrenzender Disziplinen zu beleuchten. Interessierte sind herzlich eingeladen, bis zum 30. April 2026 per E-Mail an jfr2026@ius.uzh.ch ein
Abstract von max. 500 Wörtern sowie Kontaktdaten und Kurz-CV (max. 1 Seite) einzureichen.

Die Auswahl der Beiträge erfolgt bis Ende Mai 2026. Es wird bei den Vortragenden Geschlechter-
parität angestrebt und es werden zudem Personen vorrangig berücksichtigt, die erstmals auf einer
JFR-Tagung vortragen. Auf Wunsch unterstützen wir gerne bei der Organisation einer Kinderbe-
treuung während der Tagung.

Die Beiträge zur öffentlichen Tagung, die sich in erster Linie an Nachwuchswissenschaftler:innen
richtet, sollen in einem Beiheft (peer-review) des Archivs für Rechts- und Sozialphilosophie
(ARSP) veröffentlicht werden. Abgabedatum für den zu publizierenden Text ist der 31. Januar
2027. Es ist geplant, die Reisekosten vollständig und, wenn möglich, auch die kompletten Ausla-
gen für die Übernachtungen in Zürich zu übernehmen. Weitere Informationen finden sich auf der
Tagungswebsite: https://www.jungesforumrechtsphilosophie.com/events/2026-zuerich

Organisation: Dr. iur. Elif Askin, Dr. iur. Pascal Meier, Matthias Hächler

Details
Organisation: Universität Zürich
Deadline: 30.04.2026
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