Die Friedens-Warte I
Sonderausgabe: “Eine Krise der völkerrechtsbasierten Ordnung?”
Die Herausgeber:innen der Zeitschrift Die Friedens-Warte laden herzlich zur Einreichung von Beiträgen und Beitragsvorschlägen für die kommende Sonderausgabe der Zeitschrift ein.
I. Themenschwerpunkt Sonderausgabe
II. Freie Beiträge
III. Tagungs-/Konferenzberichte
IV. Rezensionen
V. Gastherausgeberschaft
Bitte senden Sie Ihren Beitrag auf Deutsch oder Englisch bis zum 15. November 2026 zur Begutachtung an editing-ifhv@ruhr-uni-bochum.de. Vollständige Artikel sollten einen Umfang von ca. 45.000–70.000 Zeichen einschließlich Fußnoten haben. Kürzere Einreichungen sind ebenfalls willkommen, beispielsweise in Form von Policy Notes. Bitte fügen Sie ein Abstract sowie eine kurze Autor:innen Biografie von maximal 100 Wörtern bei, einschließlich institutioneller Zugehörigkeit und Kontaktdaten. Einreichungen müssen Original arbeiten sein und dürfen nicht gleichzeitig anderweitig eingereicht worden sein. Bitte beachten Sie auch die Richtlinien für Autor:innen. Für weitere Informationen besuchen Sie bitte die Website der Zeitschrift.
I. Themenschwerpunkt der Sonderausgabe
Eine Krise der völkerrechtsbasierten Ordnung?
Die völkerrechtsbasierte Ordnung steht nach weitverbreiteter Einschätzung unter enormem Druck. Beobachter:innen verweisen auf ein zunehmendes Maß an zwischenstaatlicher und innerstaatlicher Gewalt, auf Kriegsführungsformen, die grundlegende humanitäre Regeln häufig missachten, auf die selektive Ahndung von Kernverbrechen, auf zurückgehende Menschenrechtsstandards, auf zunehmend restriktivere Migrationspolitik sowie auf Herausforderungen für das internationale Wirtschaftsrecht. In ihrer Gesamtheit scheinen diese Entwicklungen Kerninstitutionen und -grundsätze des Völkerrechts in Frage zu stellen. Diese Sonderausgabe lädt zu Originalbeiträgen ein, die untersuchen, ob tatsächlich eine Krise der völkerrechtsbasierten Ordnung vorliegt, mögliche Ursachen erklären, institutionelle Reaktionen bewerten und rechtsdogmatische, institutionelle sowie politische Reformen vorschlagen. Anstatt das gesamte Feld desinternationalen Rechts umfassend zu behandeln, verfolgt die Sonderausgabe einen differenzierteren Ansatz und konzentriert sich auf sechs thematische Bereiche: das Gewaltverbot, das humanitäre Völkerrecht, das Völkerstrafrecht, die Menschenrechte, das internationale Flüchtlingsrecht sowie das internationale Wirtschaftsrecht.
Dieser Ansatz ermöglicht differenziertere Befunde sowie Vergleiche zwischen verschiedenen Bereichen des Völkerrechts. Die Annahme einer Krise mag für manche Felder zutreffen, während sie in anderen weniger überzeugend erscheint oder andere Formen annimmt. Beiträge sind daher ausdrücklich eingeladen, nicht nur Erosions-, Anfechtungs- und Fragmentierungserscheinungen zu untersuchen, sondern auch Momente der Resilienz, der Anpassung und der institutionellen Erneuerung. Die Sonderausgabe lädt darüber hinaus zu Beiträgen ein, die sich mit der Frage befassen, wie die deutsche Außenpolitik mit dem gegenwärtigen Zustand der völkerrechtsbasierten Ordnung umgeht und umgehen sollte, sowie mit der Rolle von Gerichten und internationalen Organisationen unter den gegenwärtigen Umständen.
Mögliche Themen für Einreichungen umfassen unter anderem:
- (Neu-)Interpretationen und Anfechtungen des Gewaltverbots, einschließlich Selbstverteidigung, kollektiver Sicherheit und humanitärer Intervention;
- die Erosion oder Resilienz des humanitären Völkerrechts in zeitgenössischen bewaffneten Konflikten, einschließlich moderner Kriegsführung wie Cyberoperationen und autonome Waffensysteme sowie die Wiederkehr einst verbotener Mittel und Methoden der Kriegsführung wie Streumunition oder Antipersonenminen;
- Selektivität, Politisierung und Legitimitätsprobleme bei der Ahndung von Kernverbrechen, auch vordem Internationalen Strafgerichtshof;
- zurückgehende oder ausgeweitete Menschenrechtsschutzstandards, insbesondere für vulnerable Gruppen wie Frauen, Kinder und LGBTIQ*-Personen;
- aktuelle Herausforderungen des Flüchtlingsrechts, einschließlich Grenzschließungen, Zurückweisungen, Non-Refoulement, Auslagerung von Asylverfahren und Delegitimierung des Flüchtlingsschutzes im öffentlichen Diskurs;
- die Herausforderungen für das internationale Wirtschaftsrecht (Handel, Investitionen);
- die Herausforderungen und Chancen der deutschen Außenpolitik im gegenwärtigen Umfeld der völkerrechtsbasierten Ordnung;
- die Rolle internationaler Gerichte, Vertragsorgane und internationaler Organisationen bei der Bewältigung von Anfechtungen, Nichteinhaltung und institutionellem Druck.
Wir suchen Beiträge auf Englisch oder Deutsch aus den Bereichen Rechtswissenschaft, Politikwissenschaft, internationale Beziehungen, Friedens- und Konfliktforschung sowie verwandten Disziplinen, die sich mit dem Thema der Sonderausgabe befassen. Der voraussichtliche Erscheinungstermin ist Frühjahr 2027.
Die Herausgeber:innen nehmen bis zum oben genannten Datum ebenfalls II. Freie Beiträge, III. Tagungs-/Konferenzberichte und IV. Rezensionen zu allen Aspekten der Friedens- und Konfliktforschung außerhalbdes Schwerpunkts dieser Ausgabe entgegen.
V. Gastherausgeberschaft
Die Friedens-Warte ist offen dafür, gesamte Ausgaben unter Gastherausgeberschaft zu publizieren. Bitte wenden Sie sich mit einem Konzept für ein eigenes Themen- oder Tagungsheft and einen der Herausgeber oder an die E-Mail-Adresse editing-ifhv@ruhr-uni-bochum.de, falls Sie Interesse an der Herausgabe einer Sonderausgabe haben.
Zur Friedens-Warte
1899 durch den späteren Friedensnobelpreisträger Alfred H. Fried begründet, ist die Friedens-Warte die älteste Zeitschrift im deutschsprachigen Raum für Fragen der Friedenssicherung und der internationalen Organisation. Sie dient nicht nur als Diskussionsforum innerhalb und zwischen den friedenswissenschaftlichen Disziplinen, sondern leistet auch einen traditionellen Beitrag dazu, das für eine Politik der aktiven Friedensgestaltungerforderliche Fachwissen in die politische Praxis zu vermitteln. Dem interdisziplinären Charakter der Friedenswissenschaft entsprechend äußern sich in der Friedens-Warterenommierte nationale und internationale Wissenschaftler:innen aus unterschiedlichen Fachrichtungen mit Sonderbeiträgen zu aktuellen und grundlegenden Themen der Friedens- und Konfliktforschung. Spätestens seitdem Ende des Ost-West-Konflikts wird Frieden nicht länger allein als Abwesenheit von zwischenstaatlicher Gewalt definiert, sondern als ein vielschichtiges und komplexes Konzept, das die Bedingungen eines gewaltfreien Miteinanders einschließt. Die heutige Friedenswissenschaft befasst sich mit den Dynamiken und Folgen innerstaatlicher gewaltsamer Konflikte, ökonomischer Verarmungsprozesse, Klimakatastrophen sowie der Bedrohung durch internationalen Terrorismus und Bedrohungen der menschlichen Sicherheit. Diese Erweiterung des Fokus geht mit einer Ausweitung der relevanten Fachdisziplinen einher: Neben den Politik-und Rechtswissenschaften bieten wirtschafts- und naturwissenschaftliche ebenso wie sozialpsychologische, soziologische und sozialanthropologische Analysen bedeutende Beiträge zu friedenswissenschaftlichen Debatten. Die Friedenswissenschaft hat einen explizit interdisziplinären Charakter. Die Friedens-Warte ist ein refereed journal. Eingereichte Beiträge unterliegen einem anonymisierten, externen Begutachtungsverfahren, das über die Aufnahme in der Zeitschrift entscheidet.
Die Herausgeber:innen
Herausgeber:innen dieser Sonderausgabe und Hauptherausgeber:innen
Prof. Dr. Pierre Thielbörger, Institut für Friedenssicherungsrecht und Humanitäres Völkerrecht (IFHV), Ruhr Universität Bochum
Prof. Dr. Andreas von Arnauld, Walther-Schücking-Institut für Internationales Recht, Christian-Albrechts-Universität zu Kiel
Weitere Herausgeber:innen
Prof. Dr. Claus Kreß, Universität zu Köln, Institute for International Peace and Security Law
Prof. Dr. Michael Staack, Helmut-Schmidt-Universität/Universität der Bundeswehr Hamburg
Prof. Dr. Johannes Varwick, MLU Halle-Wittenberg, Institut für Politikwissenschaft