#53 Interventionen vor dem IGH: Verfahrensinstrument mit Mehrwert?
Diese Podcastfolge behandelt einen Aspekt der Verfahrenspraxis des Internationalen Gerichtshofs, der in jüngerer Zeit verstärkt diskutiert wird: die Interventionen von Drittstaaten. Grundsätzlich stehen Staaten zwei Wege der Intervention offen: entweder auf Grundlage von Artikel 62 oder von Artikel 63 des Statuts des IGH. Während Art. 62 des IGH-Statuts Staaten den Beitritt zu einem Verfahren aufgrund eines möglichen „rechtlichen Interesses“ ermöglicht, „das durch die Entscheidung der Sache berührt werden könnte“, regelt Art. 63 des IGH-Statuts die Voraussetzungen einer Intervention bei der Auslegung von Verträgen. Wir analysieren die prozessualen Anforderungen, die an Interventionsgesuche gestellt werden und anhand welcher Kriterien deren Zulässigkeit bestimmt wird. Anschließend gehen wir der Frage nach, welche konkreten Möglichkeiten sich Staaten eröffnen, sofern ihre Intervention als zulässig erachtet wird.
Interventionen von Drittstaaten führen in der Praxis durchaus zu Kontroversen, wie sowohl abgeschlossene als auch laufende Verfahren zeigen. Grundsätzlich stellt sich die Frage, ob die Intervention als verfahrensrechtliches Instrument einen „Mehrwert“ bietet oder vielmehr einen „ungerechtfertigten Verfahrenseingriff“ darstellt, der die bilaterale Streitbeilegung zwischen den Hauptparteien behindert. Vor dem Hintergrund der zuletzt beobachteten „Welle von Interventionen“ stellt sich zudem die Frage, ob diese Entwicklung eventuell zu einer weiteren Politisierung der Verfahren beiträgt.
Um sich diesen Diskussionen vertieft zu widmen, hat der Völkerrechtspodcast Jane Hofbauer eingeladen, die den Hörer*innen das Instrument der Intervention näherbringt. Ergänzend beleuchtet Isabel Lischweski im Grundlagenteil die historische Entwicklung der Intervention.
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Hintergrundinformationen
- Ammar Bustami & Verena Kahl, Intervention auf Irrwegen: Der Fall Südafrika gegen Israel und die problematische Rolle Deutschlands im Hauptverfahren, Verfassungsblog (2024).
- Khaled El Mahmoud, Measuring with Double Legal Standards Germany’s Intervention in Support of Israel before the ICJ, Verfassungsblog (2024).
- Jane Hofbauer, Proceedings: Intervention in International Proceedings Expanding the Bilateral Dispute Settlement Model of International, in: Joanna Gomula & Stephan Wittich (Hrsg.), Research Handbook on International Procedural Law (2024), pp. 426-447.
- Haris Huremagić, Intervening for the community?—The law and politics of third-party intervention before the International Court of Justice, Journal of International Dispute Settlement 17 (2026).
- Juliette McIntyre, Less a Wave Than a Tsunami Procedural Implications for the ICJ of the Article 63 Interventions in Ukraine v. Russia, Völkerrechtsblog (2022).
- Penelope Ridings & Antonio José Guzmán Mutis, In Conversation with Dr Penelope Ridings, Völkerrechtsblog (2025).
- Bruno Simma, When “Community Interest” Intervenes: Article 62 of the ICJ Statute Facing Obligations erga omnes (partes), The Law & Practice of International Courts and Tribunals (2025).
Moderation: Jasmin Wachau & Rouven Diekjobst
Grundlagen: Dr. Isabel Lischewski
Interview: Dr. Jane Hofbauer & Jasmin Wachau
Schnitt: Daniela Rau
Credits: United Nations, ICJ: Ukraine v. Russian Federation: Allegations of Genocide | 1st Round of Oral Arguments by Russia, 19 September 2023, https://www.youtube.com/watch?v=VTjit5jmTYU.
Dr. Jane A. Hofbauer, LL.M., is a postdoctoral researcher at the Chair of Public International Law and Human Rights at the University of the Bundeswehr Munich. Her research focuses on international dispute settlement and procedural law, peace and security, and sustainable development. She is a co-editor of the Elgar Encyclopedia of Human Rights and the Austrian Review of International and European Law (ARIEL).
Jasmin Wachau is a doctoral researcher and research fellow at the Assistant Professorship of Public International Law and International Administrative Law at the University of Erfurt. She is an Editor of Völkerrechtsblog.
Rouven Diekjobst, MJur (Oxon.) is a PhD student and Research Associate at Ruhr-University Bochum’s Institute for International Law of Peace and Armed Conflict. He is a managing editor and podcast co-host at Völkerrechtsblog.
Dr. Isabel Lischewski is an Editor and Podcast Co-Host at Völkerrechtsblog as well as a post-doctoral researcher focusing inter alia on gender, governance, and education in international and German public law at University of Münster.