{"id":4601,"date":"2015-11-23T00:00:00","date_gmt":"2015-11-23T07:31:10","guid":{"rendered":"https:\/\/staging.voelkerrechtsblog.org\/?post_type=articles&#038;p=4601"},"modified":"2021-01-08T18:16:06","modified_gmt":"2021-01-08T17:16:06","slug":"mollers-buchforum-1-die-moglichkeit-der-normen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/voelkerrechtsblog.org\/de\/mollers-buchforum-1-die-moglichkeit-der-normen\/","title":{"rendered":"M\u00f6llers-Buchforum (1): Die M\u00f6glichkeit der Normen"},"content":{"rendered":"<p>Wahrscheinlich wird nicht gerade der Titel von Christoph M\u00f6llers\u2018 neuem Buch das Interesse der Soziologinnen wecken. Soziologische Analysen zu Normen gab und gibt es schlie\u00dflich zuhauf, sodass viele skeptisch sein werden, ob auf jenem Gebiet ausgerechnet ein Jurist und Rechtsphilosoph die Sozialwissenschaften entscheidend wird voranbringen k\u00f6nnen. Andererseits waren schon M\u00f6llers\u2018 fr\u00fchere Werke (etwa: <em>Der vermisste Leviathan. Staatstheorie in der Bundesrepublik<\/em>, Frankfurt am Main 2008) zumindest f\u00fcr die an politischer Soziologie Interessierten h\u00f6chst aufschlussreich. Die Leser werden den Griff zu seinem neuesten Produkt jedenfalls nicht bereuen, besteht doch kein Zweifel daran, dass M\u00f6llers eines der wichtigsten sozialwissenschaftlichen B\u00fccher der letzten Jahre vorgelegt hat. Dieses Urteil kann auch der Umstand nicht ins Wanken bringen, dass nicht alle der zahlreichen F\u00e4den der umfassend entwickelten Argumentation am Ende wieder miteinander verkn\u00fcpft worden sind, dass der Aufbau des Buches nicht immer klar ist und dass auch das Fazit, das den Anschluss an die empirische Forschung verspricht, durchaus h\u00e4tte konkreter ausfallen k\u00f6nnen. Als Gesamteindruck bleibt, dass ein immens belesener Autor eine faszinierend reichhaltige und innovative Ph\u00e4nomenologie von Normen pr\u00e4sentiert, deren sozialtheoretische Konsequenzen noch gar nicht abzusehen sind. Indem er stets zwischen der Entwicklung stringenter Argumente und der Darbietung zahlloser empirischer Beispiele hin- und herwechselt, gewinnt M\u00f6llers immer wieder \u00fcberraschende Einsichten. Dabei werden Positionen der Philosophie, der Politikwissenschaft, der Soziologie sowie verwandter Disziplinen mit messerscharfer Intelligenz und oft gnadenlos seziert, wird Interdisziplinarit\u00e4t auf eine Weise praktiziert, wie man sie nur allzu selten findet.<\/p>\n<p>Es geht M\u00f6llers nicht um eine angemessene oder richtige Anwendung von Normen oder um ihre Rechtfertigung; auch die Frage, wie sich das Normative vom Nicht-Normativen genau abgrenzen l\u00e4sst, interessiert ihn nicht an allererster Stelle. Zentral ist f\u00fcr M\u00f6llers vielmehr die Kl\u00e4rung der Frage, wie sich soziale Normen <em>als<\/em> Normen auszeichnen, um auf dieser Grundlage Ideen f\u00fcr eine sinnvolle empirische Erforschung normativer Praktiken zu entwickeln. Damit ist schon ein wesentlicher Ausgangspunkt der Argumentation charakterisiert: Er interessiert sich f\u00fcr <em>soziale<\/em> Normen, f\u00fcr fixiertes Verfassungsrecht ebenso wie f\u00fcr Benimmregeln, f\u00fcr das Rauchverbot ebenso wie f\u00fcr Mode, w\u00e4hrend ihn die diesbez\u00fcglichen blutleeren und zumeist kontextlos gef\u00fchrten philosophischen oder rechtstheoretischen Debatten eher langweilen. M\u00f6llers sucht explizit den Anschluss an die Sozialwissenschaften, wenn er fragt, was denn das Normative in normativen Praktiken sei, und wenn er nahelegt, dieses Normative m\u00fcsse gerade auch mit nicht-normativen Begriffen gefasst werden. M\u00f6llers arbeitet sich diesbez\u00fcglich an (soziologischen) Handlungstheorien ab, weil er den Verdacht nicht loswird, dass ein falsches oder problematisches Handlungsverst\u00e4ndnis oft auch das Verst\u00e4ndnis der besonderen Normativit\u00e4t normativer Praktiken beeintr\u00e4chtigt.<\/p>\n<p><strong>Normativit\u00e4t und Praxis<\/strong><\/p>\n<p>M\u00f6llers setzt sich mit einer ganzen Reihe von \u00fcberwiegend philosophischen, manchmal auch soziologischen Autoren auseinander, die auf je spezifische Weise versucht haben, dieses Normative zu fassen. <em>Zun\u00e4chst<\/em> weist er dezidiert zur\u00fcck, dass Normativit\u00e4t mit Handlungsgr\u00fcnden zu identifizieren sei. M\u00f6llers kann mit schlagenden Beispielen belegen, inwiefern eine derartige Engf\u00fchrung von Normativit\u00e4t und Rationalit\u00e4t der Realit\u00e4t einer Vielzahl von Normen nicht gerecht wird. Vielmehr seien etliche Normen moralisch gar nicht abgesichert. Auch die in diesem Kontext oft vorgenommene Unterscheidung von (idealen) Normen einerseits und der Materialisierung dieser Normen andererseits f\u00fchrt \u2013 so M\u00f6llers \u2013 in eine Sackgasse, weil mit der damit zumeist einhergehenden Auszeichnung von Idealverfahren (siehe etwa John Rawls\u2018 \u201eveil of ignorance\u201c) eine abstrakte Verfahrensrationalit\u00e4t pr\u00e4miert werde, die per definitionem die empirisch vorfindbaren normativen Praktiken zu sekund\u00e4ren und letztlich defizit\u00e4ren Ph\u00e4nomenen erkl\u00e4re. M\u00f6llers hingegen beharrt auf der Vorg\u00e4ngigkeit der normativen <em>Praxis<\/em> und argumentiert gegen Rawls, J\u00fcrgen Habermas und andere, erst die historisch gewachsenen Realverfahren g\u00e4ben den idealen Verfahrensdiskursen ihre Daseinsberechtigung. M\u00f6llers macht zudem keinen Hehl daraus, dass ihn die Machtvergessenheit der meisten politischen Philosophen irritiert, vor allem deren Bestreben \u2013 hier nimmt er nicht zuletzt auch Rainer Forst ins Visier \u2013 Macht lediglich auf das Vorliegen guter oder eben weniger guter Gr\u00fcnde zur\u00fcckzuf\u00fchren und damit Macht und Rationalit\u00e4t \/ Irrationalit\u00e4t gewisserma\u00dfen aufeinander zu reduzieren. Es erscheint ihm schlicht r\u00e4tselhaft, warum etwa die hellsichtigen Analysen eines Charles Tilly \u00fcber das Angeben von Gr\u00fcnden <em>in konkreten Situationen <\/em>sowie die zentrale Rolle von Macht<em>differenzen<\/em> beim Akzeptieren dieser Gr\u00fcnde in weiten Teilen der politischen Philosophie keine Rolle spielen. (Vgl. Charles Tilly, <em>Why?<\/em>, Princeton und Oxford 2006)<\/p>\n<p><em>Ebenso<\/em> unpassend erscheint ihm aber auch die Gegenposition von letztlich an David Hume anschlie\u00dfenden Autoren, die Normativit\u00e4t \u00fcber den Zwischenschritt individueller Pr\u00e4ferenzen auf kausale Effekte reduzieren, also Normen wie Fakten behandelt sehen wollen und daher nicht die Rationalit\u00e4t von Normen betonen, sondern ausschlie\u00dflich deren zwingenden Charakter. Es sei aber doch gerade das Kennzeichen von Normen, dass sie immer auch gebrochen werden k\u00f6nnen, weshalb dieses Insistieren auf der Faktizit\u00e4t von Normen deren Eigenart schlichtweg verkenne.<\/p>\n<p>Gerade mithilfe der stets virulenten M\u00f6glichkeit der Normabweichung versucht M\u00f6llers nun, normative Praktiken n\u00e4her zu charakterisieren, und zwar als solche, \u201emit denen eine Verwirklichungsaffirmation, eine Proeinstellung hinsichtlich der Realisierung des m\u00f6glichen Zustandes zum Ausdruck gebracht wird.\u201c (157, Hervorhebung im Original) Diese vielleicht zun\u00e4chst trivial klingende Definition hat es insofern in sich, als M\u00f6llers damit behauptet, dass Normen nicht aus der Welt herauszudefinieren sind, dass ihnen also keine Sonderontologie zuzuordnen ist. (131f.) Es sei vielmehr gerade das Charakteristikum von Normen, dass sie fast immer mit Praktiken zusammenh\u00e4ngen, die gewisserma\u00dfen an realen Dingen \u201akleben\u2018, die auf spezifische historische Kontexte und Institutionen bezogen sind usw. Die Vorstellung, man habe normative Praktiken in erster Linie als begrifflich-abstrakte Leistungen von kontextlos agierenden Akteuren zu verstehen, erscheint M\u00f6llers einigerma\u00dfen absurd. Schlie\u00dflich hat er schon zu oft vom Wein der Praxistheorie gekostet, um sich noch an das schon etwas abgestandene Wasser gew\u00f6hnen zu k\u00f6nnen, das die politische Philosophie zumeist einschenkt. Insofern ist sein Hinweis dann auch nicht mehr \u00fcberraschend, dass Normen nicht ex nihilo erzeugt werden und dass dar\u00fcber hinaus die Normanwendung ein h\u00f6chst voraussetzungsvoller Vorgang ist. Denn nicht die Norm legt die Bedingungen ihrer Anwendung fest; vielmehr wird die Normanwendung selbst wieder von Akteuren in spezifischen Kontexten autorisiert.<\/p>\n<p><strong>Normen als hybride Ph\u00e4nomene<\/strong><\/p>\n<p>Letztlich gelangt M\u00f6llers zu der vielleicht verst\u00f6renden Einsicht, dass aus genau diesen Gr\u00fcnden der Normbegriff selbst immer schon und unaufhebbar vage ist. Das Erscheinungsbild von Normen sei h\u00f6chst variabel, auch \u00fcber Sanktionen lasse sich kein wirkliches Verst\u00e4ndnis von Normen per se gewinnen, wie dies etwa noch \u00c9mile Durkheim glaubte. Nicht wenige Normbr\u00fcche w\u00fcrden eben auch nicht geahndet, ohne dass man sagen k\u00f6nne, die Norm habe aufgeh\u00f6rt zu existieren. Normen sind M\u00f6llers zufolge eben hybride Ph\u00e4nomene, insofern in normativen Praktiken die Realit\u00e4t ebenso transzendiert wie auf sie zur\u00fcckgegriffen wird. Vor diesem Hintergrund kritisiert M\u00f6llers freundlich und respektvoll, aber in Wahrheit ziemlich vernichtend die Frankfurter Versuche, mittels einer \u201enormativen\u201c (Axel Honneth) beziehungsweise \u201erationalen Rekonstruktion\u201c (Habermas) wertende Ma\u00dfst\u00e4be aus der Geschichte oder aus empirischen Ph\u00e4nomenen zu gewinnen. Wie M\u00f6llers deutlich macht, scheitern derartige Versuche schon daran, dass die in Anschlag gebrachten Begriffe in der Regel normativ so stark aufgeladen sind und das wohl auch sein m\u00fcssen, dass ein einigerma\u00dfen voraussetzungsloser Zugang zur Empirie schon kaum mehr m\u00f6glich ist, weshalb stets tautologische Gefahren lauern.<\/p>\n<p>Aus der Anerkennung der unvermeidlichen Hybridit\u00e4t der Normen speist sich aber auch M\u00f6llers\u2018 ebenso scharfe Kritik an der systemtheoretisch inspirierten Differenzierungstheorie. Niklas Luhmanns Vorstellung, man k\u00f6nne je unterschiedliche Systeme klar voneinander trennen und etwa von einer klaren und gewisserma\u00dfen sauberen Ausdifferenzierung des Rechts und der dort waltenden juristischen Logik ausgehen, scheitert laut M\u00f6llers schlicht an der Tatsache, dass normative Praktiken eben Praktiken sind (und keine nur sprachlichen Codes!). Daher sei mit faktischen Arrangements zu rechnen, die sich nicht einfach sauber und exklusiv in einzelne Funktionssysteme einsortieren lassen w\u00fcrden. (440f.) M\u00f6llers h\u00e4lt freilich auch nichts davon, Luhmann mit Blick auf vermeintlich aktuelle Entwicklungen zu kritisieren, etwa durch Verweise auf den in vielen Teilen der Welt zu beobachtenden und den Nationalstaat scheinbar bedrohenden Normpluralismus oder auf sogenannte \u201eblurred boundaries\u201c, also auf das Verwischen und Durchbrechen von Grenzen zwischen ehemals separierten Wertsph\u00e4ren, Subsystemen oder sozialen Einheiten. Wie M\u00f6llers anmerkt, ist die gestellte Diagnose eben alles andere als aktuell; sie erscheine nur deshalb so neuartig und plausibel, weil man immer schon von einem falschen Verst\u00e4ndnis von Normativit\u00e4t ausgehe und somit die notwendige wie unvermeidliche Vagheit von Normen ignoriere. Anders formuliert: Wer auf eine vermeintlich neuartige normative Situation aufmerksam macht, unterstellt damit auf problematische Art und Weise, dass differenzierungstheoretische Argumente zumindest f\u00fcr fr\u00fchere Epochen ihre Berechtigung hatten.<\/p>\n<p><strong>Norm und Fiktion<\/strong><\/p>\n<p>Es zeichnet den breiten Zugriff M\u00f6llers\u2018 aus, dass ihm in der Mitte des Buches ein Exkurs zum Verh\u00e4ltnis von Kunst \/ \u00c4sthetik und Normativit\u00e4t gelingt, der sowohl zu den sch\u00f6nsten als auch zu den aufschlussreichsten Passagen der Arbeit z\u00e4hlt. Zu den <em>sch\u00f6nsten<\/em> deshalb, weil sie dem Leser auf subtile Art und Weise die \u00c4hnlichkeiten, aber auch die Differenzen zwischen Kunst und Normativit\u00e4t nahebringt, die ja beide \u2013 wenn auch auf unterschiedlichem Wege und mit unterschiedlicher Zielsetzung \u2013 die Realit\u00e4t transzendieren. Brillant diskutiert M\u00f6llers unter Verwendung literaturwissenschaftlichen Handwerkszeugs den fiktionalen Charakter von Normen und betont, genau dieser mache es unm\u00f6glich, Normen im Sinne Luhmanns einem einzigen Funktionssystem zuzuordnen. <em>Aufschlussreich<\/em> ist dieser Kunstexkurs deshalb, weil in ihm wie nirgendwo sonst im Buch M\u00f6llers\u2018 eigene Ontologie, sein Verst\u00e4ndnis der Realit\u00e4t menschlichen Handelns, zum Ausdruck kommt. Wenn er argumentiert, dass Normen nicht nur als handlungsleitend zu begreifen sind, oder dass es verk\u00fcrzt sei zu behaupten, Normen w\u00fcrden Handlungen in bestimmte Richtungen zwingen, dann sagt er damit gleichzeitig auch, dass Normen in Wahrheit Handlungen erst charakterisieren und dar\u00fcber die Identit\u00e4t von Akteuren definieren. Hier macht M\u00f6llers unmissverst\u00e4ndlich klar, dass er sich m\u00f6glichst weit von einem Handlungsverst\u00e4ndnis distanzieren will, wie es im methodologischen Individualismus im Allgemeinen und in der Rational Choice-Theorie im Besonderen beheimatet ist. Dieser Punkt ist f\u00fcr M\u00f6llers, der hier den sogenannten <em>material turn<\/em> der Kulturwissenschaften f\u00fcr seine Argumentation nutzt, auch deshalb besonders wichtig, weil der methodische und theoretische Zugang zu Normen \u00fcber normative <em>Praktiken<\/em> zu erfolgen habe und damit \u00fcber die unvermeidliche Verwobenheit des Normativen mit realen Dingen und Objekten in einem intersubjektiv wahrgenommenen sozialen Raum: \u201eEine Lehre aus der \u00e4sthetischen Theorie f\u00fcr die Theorie sozialer Normen d\u00fcrfte darin bestehen, die Bedeutung von Objekten f\u00fcr die Perpetuierung einer normativen Praxis einzusehen, Normen also nicht auf geteilte Absichten zu reduzieren, sondern ihre Verselbst\u00e4ndigung durch Objekte und Begriffe zu verstehen.\u201c (254) Was M\u00f6llers damit sagen will, ist, dass die <em>Einbettung<\/em> von Akteuren in normative Praktiken der Ausgangspunkt einer Analyse von Normativit\u00e4t zu sein hat, nicht aber die Absicht oder der Handlungsplan eines isoliert vorgestellten individuellen Akteurs. (377ff., 402)<\/p>\n<p>Wie schon angedeutet m\u00f6gen einige Leser den Schlussteil von M\u00f6llers\u2018 Buch, den er als Vorsto\u00df zu einer sozialwissenschaftlich angeleiteten, empirischen Erforschung von Normativit\u00e4t verstanden haben will, wenig ergiebig finden. Man k\u00f6nnte aber auch argumentieren, dass der Autor sich der Schwierigkeiten eines solchen Unterfangens nur zu bewusst ist. Des \u00d6fteren liest man den Hinweis, der Durchgang durch die Theoriegeschichte habe gelehrt, dass es \u201eklein anzufangen\u201c gelte. (446) Angesichts der von M\u00f6llers demonstrierten notwendigen Vagheit des Normenbegriffs sowie der h\u00f6chst unterschiedlichen Morphologie von Normen d\u00fcrfte dies ein guter Rat sein. Gro\u00dfe Theoriew\u00fcrfe sind hier nicht zu erwarten, das Ziel einer empirischen Normenforschung kann laut M\u00f6llers deshalb allenfalls der kontextualisierende Vergleich sein, eine Form des Vergleichs, die freilich \u2013 ganz bewusst und ganz entschieden \u2013 zuallererst mit verschiedenen Grundannahmen gerade auch der Soziologie zu brechen hat. Nicht zuletzt gilt das f\u00fcr das Theorem der funktionalen Differenzierung (440f.) oder Talcott Parsons\u2018 Annahmen hinsichtlich der Stabilisierungswirkung geteilter Normen (419ff.).<\/p>\n<p><strong>Schluss<\/strong><\/p>\n<p>M\u00f6llers\u2018 Arbeit, aus der Jurisprudenz und der Rechtsphilosophie entstanden, ist ein bewundernswerter Versuch, sich den empirischen Sozialwissenschaften zu \u00f6ffnen; dass seine Argumentation anschlussf\u00e4hig ist, d\u00fcrfte niemand ernsthaft bestreiten. Man darf deshalb gespannt sein, <em>ob<\/em> die Sozialwissenschaften den von M\u00f6llers geworfenen Ball aufnehmen k\u00f6nnen und werden, weil dies auch hei\u00dfen w\u00fcrde, dass man von liebgewonnenen Denkgewohnheiten Abschied nehmen m\u00fcsste \u2013 nicht zuletzt von jenen aus der Luhmann\u2018schen Systemtheorie kommenden Denkzw\u00e4ngen, der sich gro\u00dfe Teile der Rechtssoziologie unterworfen haben. Es wird sich zeigen, wie viel Innovationsf\u00e4higkeit in der derzeitigen Rechtssoziologie, aber eben auch in all den Subdisziplinen der Soziologie steckt, die mit M\u00f6llers\u2018 Frage nach der Normativit\u00e4t normativer Praktiken befasst sind. Das sind bekanntlich nicht wenige, weshalb \u2013 um es nochmals zu betonen \u2013 M\u00f6llers\u2018 Buch eben als eines der wichtigsten der vergangenen Jahre bezeichnet werden muss.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><em>Professor Dr. Wolfgang Kn\u00f6bl, Soziologe, ist Direktor des Hamburger Instituts f\u00fcr Sozialforschung und Gastprofessor f\u00fcr Soziologie und Kulturorganisation an der Leuphana Universit\u00e4t L\u00fcneburg.<br \/>\n<\/em><\/p>\n<p>Alle weiteren Beitr\u00e4ge im Rahmen unseres Buchforums zu Christoph M\u00f6llers\u2019 \u201cDie M\u00f6glichkeit der Normen\u201d (Suhrkamp 2015) sind <a href=\"http:\/\/voelkerrechtsblog.com\/tag\/moellers\/\">hier<\/a> zu finden.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<blockquote><p>Cite as: Wolfgang Kn\u00f6bl, \u201cM\u00f6llers-Buchforum (1): Die M\u00f6glichkeit der Normen\u201d,\u00a0<em>V\u00f6lkerrechtsblog<\/em>,\u00a0\u00a023 November\u00a02015, doi: 10.17176\/20171004-101038.<\/p><\/blockquote>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wahrscheinlich wird nicht gerade der Titel von Christoph M\u00f6llers\u2018 neuem Buch das Interesse der Soziologinnen wecken. Soziologische Analysen zu Normen gab und gibt es schlie\u00dflich zuhauf, sodass viele skeptisch sein werden, ob auf jenem Gebiet ausgerechnet ein Jurist und Rechtsphilosoph die Sozialwissenschaften entscheidend wird voranbringen k\u00f6nnen. 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