{"id":4538,"date":"2015-07-13T00:00:00","date_gmt":"2015-07-13T06:00:19","guid":{"rendered":"https:\/\/staging.voelkerrechtsblog.org\/articles\/symposium-klima-und-umweltbedingte-flucht\/"},"modified":"2020-12-09T13:45:18","modified_gmt":"2020-12-09T12:45:18","slug":"symposium-klima-und-umweltbedingte-flucht","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/voelkerrechtsblog.org\/de\/symposium-klima-und-umweltbedingte-flucht\/","title":{"rendered":"Symposium: Klima- und umweltbedingte Flucht"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\">Stehen Klima- und Umweltver\u00e4nderungen mit Zwangsmigration im Zusammenhang? K\u00f6nnen diese Ver\u00e4nderungen die Flucht und Vertreibung von Menschen verursachen und wenn ja, wieso? Wie werden diese Menschen, die ihre Heimat verlassen m\u00fcssen, v\u00f6lkerrechtlich gesch\u00fctzt?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der <a href=\"http:\/\/voelkerrechtsblog.com\/\">V\u00f6lkerrechtsblog<\/a> und der <a href=\"http:\/\/fluechtlingsforschung.net\/blog\/\">Fl\u00fcchtlingsforschungsBlog<\/a> geben gemeinsam eine Serie von Beitr\u00e4gen heraus, in deren Mittelpunkt diese und weitere Fragen zur klima- und umweltbedingten Flucht und Zwangsmigration stehen. Die Beitr\u00e4ge stammen von Expertinnen und Experten vornehmlich aus der Wissenschaft aber auch aus der Praxis. Jeder Beitrag nimmt eine andere disziplin\u00e4re Sicht auf das Thema und reflektiert spezifische Herausforderungen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><!--more--><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Klima- und umweltbedingte Flucht &#8211; wovon sprechen wir?<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Dass Klima- und Umweltver\u00e4nderungen in verschiedenen Formen weltweit zu verzeichnen sind, wird wissenschaftlich kaum mehr in Frage gestellt. Vielmehr hat sich in den vergangenen Jahren eine <a href=\"http:\/\/www.rsc.ox.ac.uk\/files\/publications\/policy-briefing-series\/pb1-environmentally-displaced-people-2008.pdf\">Unterscheidung<\/a> zwischen langsam einsetzenden und pl\u00f6tzlich auftretenden Erscheinungen etabliert. Beide k\u00f6nnen in einem so starken Ausma\u00df auf die Lebensgrundlagen und -bedingungen von Menschen wirken, dass die betroffenen Personen fliehen m\u00fcssen. Die Folgen dieser Ver\u00e4nderungen k\u00f6nnen irreversibel oder reversibel sein.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">W\u00e4hrend diese grunds\u00e4tzlichen Verbindungen von Klima- und Umweltver\u00e4nderungen mit Flucht und Zwangsmigration wissenschaftlich weitgehend akzeptiert sind, gibt es unterschiedliche Definitionsans\u00e4tze f\u00fcr die fliehenden Personen. Zum Beispiel definierte Essam El-Hinnawi Umweltfl\u00fcchtlinge (englisch: <em>environmental refugees<\/em>) bereits 1985 als:<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em> \u201eMenschen, die vor\u00fcbergehend oder dauerhaft gezwungen wurden, ihren traditionellen Lebensraum zu verlassen, weil eine deutliche Umweltzerst\u00f6rung (nat\u00fcrlich und\/oder von Menschen ausgel\u00f6st) ihre Existenz gef\u00e4hrdet und\/oder sich schwerwiegend auf ihre Lebensqualit\u00e4t auswirkt. Mit \u201aUmweltzerst\u00f6rung\u2018 in dieser Definition sind alle physischen, chemischen und\/oder biologischen Ver\u00e4nderungen im \u00d6kosystem (oder Ressourcen) gemeint, die das menschliche Leben vor\u00fcbergehend oder dauerhaft negativ behindern.\u201c <\/em>[\u00dcbersetzung aus dem Englischen; zitiert aus <a href=\"https:\/\/www.bamf.de\/SharedDocs\/Anlagen\/DE\/Publikationen\/WorkingPapers\/wp45-klimamigration.pdf?__blob=publicationFile\">M\u00fcller et al. 2012: 19<\/a>]<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"http:\/\/www.acpmigration-obs.org\/sites\/default\/files\/Biermann%20-%20Preparing%20for%20a%20warmer%20world.pdf\">Frank Biermann und Ingrid Boas<\/a> beziehen sich auf Klima(wandel)fl\u00fcchtlinge (englisch: <em>climate (change) refugees<\/em>), die sie wie folgt definieren:<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>\u201eMenschen, die ihre Lebensr\u00e4ume, sofort oder in naher Zukunft, aufgrund pl\u00f6tzlicher oder allm\u00e4hlicher Ver\u00e4nderungen in ihrer nat\u00fcrlichen Umgebung verlassen m\u00fcssen, die mit mindestens einer von drei Folgen des Klimawandels verbunden sind: Meeresspiegelanstieg, extreme Wetterereignisse sowie D\u00fcrren und Wasserknappheit.\u201c <\/em>[\u00dcbersetzung aus dem Englischen]<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Daneben werden in der wissenschaftlichen Debatte vielf\u00e4ltige <a href=\"https:\/\/www.bamf.de\/SharedDocs\/Anlagen\/DE\/Publikationen\/WorkingPapers\/wp45-klimamigration.pdf?__blob=publicationFile\">weitere Begriffsrahmungen<\/a> vorgeschlagen und diskutiert.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>V\u00f6lkerrechtlicher Schutz bei klimabedingter Flucht?<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die v\u00f6lkerrechtliche Behandlung dieser unterschiedlichen Dimensionen von klima- und umweltbedingter Flucht ist komplex. Dies bezieht sich nicht zuletzt darauf, dass regelm\u00e4\u00dfig nicht ein spezifischer Fluchtgrund auszumachen ist, sondern die <a href=\"http:\/\/www.rsc.ox.ac.uk\/publications\/environmentally-displaced-people-understanding-the-linkages-between-environmental-change-livelihoods-and-forced-migration\">klima- und umweltbedingte Flucht auf multikausalen Zusammenh\u00e4ngen<\/a> basiert.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die <a href=\"http:\/\/www.unhcr.org\/3b66c2aa10.html\">Genfer Fl\u00fcchtlingskonvention<\/a> als Grundlage des internationalen Fl\u00fcchtlingsrechts sch\u00fctzt grunds\u00e4tzlich nur vor diskriminierender Verfolgung. Klimaver\u00e4nderungen und Umweltkatastrophen bedrohen die Bev\u00f6lkerung betroffener Gebiete jedoch zun\u00e4chst unterschiedslos. Allerdings \u2013 so argumentiert beispielsweise <a href=\"http:\/\/www.zar.nomos.de\/archiv\/2015\/heft-2\/\">Nora Markard in der ZAR<\/a> \u2013 wirken sich die Ver\u00e4nderungen meist unterschiedlich stark auf Bev\u00f6lkerungsgruppen aus, sodass auch unter geltendem internationalen Recht ein Umgang mit klimabedingter Flucht m\u00f6glich scheint. Auch menschenrechtliche Normen, wie etwa die <a href=\"http:\/\/conventions.coe.int\/treaty\/ger\/treaties\/html\/005.htm\">Europ\u00e4ische Menschenrechtskonvention<\/a>, k\u00f6nnten als Grundlage daf\u00fcr dienen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Gerichtliche Praxis zur klimabedingten Flucht besteht hingegen bislang nicht. <a href=\"http:\/\/www.taz.de\/!5036227\/\">Viel diskutiert<\/a> wurde ein Urteil in Neuseeland, das im Jahr 2014 Personen aus dem Inselstaat Tuvalu die Aufnahme gew\u00e4hrte. Die Personen wurden <a href=\"http:\/\/www.brookings.edu\/blogs\/planetpolicy\/posts\/2014\/08\/13-climate-refugees-new-zealand-mcadam\">allerdings nicht ausdr\u00fccklich als Klimafl\u00fcchtlinge<\/a>, sondern aus humanit\u00e4ren Gr\u00fcnden aufgenommen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Aktuelle Entwicklungen<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Seit einigen Jahren erh\u00e4lt das Thema nicht nur in der Wissenschaft, sondern zunehmend auch in der Politik, Praxis und den Medien Aufmerksamkeit. So setzen sich unter anderem <a href=\"http:\/\/www.unhcr.org\/4decc5276.html\">UNHCR<\/a> und <a href=\"https:\/\/www.iom.int\/iom-adb-policy-dialogues-climate-induced-migration-geneva-and-bangkok\">IOM<\/a> f\u00fcr den Schutz der Personen und die Integration des Themas in politischen Agenden ein. Dabei ist ein weltweites Ausma\u00df erkennbar.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">In einem aktuellen Bericht hebt das <a href=\"http:\/\/www.internal-displacement.org\/assets\/publications\/2015\/NRC-Displacement-Risk-Analysis-EFA-FINAL.pdf\">Internal Displacement Monitoring Centre (IDMC)<\/a> hervor, dass zwischen 2008 und 2013 j\u00e4hrlich durchschnittlich 27,5 Millionen Menschen aufgrund Klima- und Umweltver\u00e4nderungen vertrieben wurden bzw. fliehen musste. <a href=\"http:\/\/www.sciencedirect.com\/science\/article\/pii\/S0959378011001403\">Fran\u00e7ois Gemenne<\/a> nimmt an, dass es 2050 ca. 150 Millionen Umweltfl\u00fcchtlinge geben wird. Und auch wenn die <a href=\"https:\/\/www.g7germany.de\/Content\/DE\/_Anlagen\/G8_G20\/2015-06-08-g7-abschluss-deu.pdf?__blob=publicationFile&amp;v=4\">Abschlusserkl\u00e4rung des G7-Gipfels<\/a> nicht ausdr\u00fccklich die klimabedingte Flucht erw\u00e4hnt, so l\u00e4sst der Fokus auf den Klimawandel als internationale Aufgabe doch hoffen, dass auch die dadurch verursachte Zwangsmigration als Thema aufgegriffen werden wird.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Die Serienbeitr\u00e4ge<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Beitr\u00e4ge der kommenden Wochen werden sich mit verschiedenen Aspekten des Themas Klima- und Umweltver\u00e4nderungen sowie Zwangsmigration auseinandersetzen. Diesem Auftakt folgt ein Interview mit Walter K\u00e4lin \u00fcber die Nansen-Initiative, die es sich zum Ziel gesetzt hat, den internationalen Schutz bei klima- und katastrophenbedingter Flucht zu verbessern. Anschlie\u00dfend wird H\u00e9l\u00e8ne Ragheboom die internationale Rechtslage von klima- und umweltbedingten ZwangsmigrantInnen genauer darstellen. Christiane Fr\u00f6hlich und Michael Brzoska werden aus politikwissenschaftlicher Sicht die Zusammenh\u00e4nge von Klimaver\u00e4nderungen, Zwangsmigration und Konflikten untersuchen und vier Formen diskutieren. Die Serie schlie\u00dft mit einem Beitrag aus der Praxis, in dem Sophia Wirsching von Brot f\u00fcr die Welt \u00fcber globale Herausforderungen bei der Unterst\u00fctzung der betroffenen Personen schreibt.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Alle Beitr\u00e4ge dieser Serie erscheinen parallel auf dem\u00a0<a href=\"http:\/\/fluechtlingsforschung.net\/blog\/\">Fl\u00fcchtlingsforschungsBlog<\/a>\u00a0und dem <a href=\"http:\/\/voelkerrechtsblog.com\/\">V\u00f6lkerrechtsblog<\/a>. Wir danken vorab allen Teilnehmerinnen und Teilnehmern, freuen uns auf zahlreiche Kommentare und eine lebhafte Diskussion.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em><a href=\"https:\/\/www.uni-marburg.de\/konfliktforschung\/personal\/krause\/index_html\">Ulrike Krause<\/a> ist wissenschaftliche Mitarbeiterin am Zentrum f\u00fcr Konfliktforschung der Philipps-Universit\u00e4t Marburg und leitet die Redaktion des <a href=\"http:\/\/fluechtlingsforschung.net\/blog\/\">Fl\u00fcchtlingsforschungsblogs<\/a>.<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em><a href=\"http:\/\/www.mpil.de\/de\/pub\/organisation\/wiss_bereich\/dschmalz.cfm\">Dana Schmalz<\/a> ist wissenschaftliche Mitarbeiterin am Max-Planck-Institut f\u00fcr ausl\u00e4ndisches \u00f6ffentliches Recht und V\u00f6lkerrecht, Berlin\/Heidelberg und Redaktionsmitglied des <a href=\"http:\/\/voelkerrechtsblog.com\/\">V\u00f6lkerrechtsblogs<\/a>.<\/em><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<blockquote>\n<p style=\"text-align: justify;\">Cite as: Dana Schmalz und Ulrike Krause, \u201cSymposium: Klima- und umweltbedingte Flucht\u201d,\u00a0<em><span style=\"color: #000000;\">V\u00f6lkerrechtsblog<\/span><\/em>,\u00a013 July 2015, doi: 10.17176\/20170920-113816.<\/p>\n<\/blockquote>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Stehen Klima- und Umweltver\u00e4nderungen mit Zwangsmigration im Zusammenhang? 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