{"id":4072,"date":"2016-03-14T00:00:00","date_gmt":"2016-03-14T16:06:42","guid":{"rendered":"https:\/\/staging.voelkerrechtsblog.org\/articles\/volkerrecht-im-fokus-der-arbeit-einer-studentischen-redaktion\/"},"modified":"2020-12-09T13:36:56","modified_gmt":"2020-12-09T12:36:56","slug":"volkerrecht-im-fokus-der-arbeit-einer-studentischen-redaktion","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/voelkerrechtsblog.org\/de\/volkerrecht-im-fokus-der-arbeit-einer-studentischen-redaktion\/","title":{"rendered":"V\u00f6lkerrecht im Fokus der Arbeit einer studentischen Redaktion"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\">Das Goettingen Journal of International Law (GoJIL) sieht sich nicht nur als wissenschaftliches Journal, sondern auch als studentische Initiative mit dem Ziel, Studierenden das V\u00f6lkerrecht und das wissenschaftliche Publizieren n\u00e4herzubringen. Am Beispiel des GoJIL m\u00f6chte ich im Folgenden aufzeigen, wie studentische Law Journals einen Beitrag zur juristischen Ausbildung leisten k\u00f6nnen.<!--more--><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das GoJIL, eine studentische Initiative, greift bei der Vorstellung f\u00fcr neue Studierende auch gerne auf Barack Obama zur\u00fcck. Wenn sein Bild auf der Powerpoint-Folie auftaucht, hat das jedoch zun\u00e4chst nichts damit zu tun, dass er der 44. Pr\u00e4sident der Vereinigten Staaten von Amerika ist. Denn Obama war w\u00e4hrend seines Studiums auch Chefredakteur der bekannten Harvard Law Review. Anders als in den USA, wo Redaktionsmitglieder oft einen langen, selektiven Auswahlprozess durchlaufen, m\u00fcssen wir, die Redaktion des GoJIL, interessierten Studierenden zuallererst erkl\u00e4ren, dass wir unsere Artikel gar nicht selber schreiben. Viele k\u00f6nnen sich anfangs nicht vorstellen, dass uns Wissenschaftler*innen aus aller Welt ihre Artikel zur Ver\u00f6ffentlichung schicken.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das Goettingen Journal of International Law ist ein online erscheinendes Rechtsjournal zum V\u00f6lkerrecht. 2007 von Studierenden der Georg-August-Universit\u00e4t G\u00f6ttingen gegr\u00fcndet, ist das GoJIL deutschlandweit das erste studentisch gef\u00fchrte Journal zum internationalen Recht, welches ausschlie\u00dflich in englischer Sprache publiziert.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Zwei Aspekte, die das GoJIL auszeichnen, sind zum einen der double-blind peer review-Prozess, was bedeutet, dass jeder Artikel, der ein erstes kurzes Review durch die Redaktion besteht, von zwei Gutachtern unabh\u00e4ngig voneinander bewertet wird, ohne dass diese die Identit\u00e4t des Autors des Textes kennen. Auf Grundlage der zwei Gutachten entscheidet die Redaktion im Anschluss \u00fcber eine Ablehnung oder Annahme eines Artikels. Weiterhin erscheint das GoJIL open access. Die Ausgaben sind kostenlos und frei zug\u00e4nglich auf unserer Website <a href=\"http:\/\/www.gojil.eu\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">www.gojil.eu<\/a> verf\u00fcgbar. Das GoJIL ist zudem in den Datenbanken HeinOnline und EBSCO zu finden.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Finanziell unterst\u00fctzt wird das GoJIL durch Mittel der Juristischen Fakult\u00e4t der Georg-August-Universit\u00e4t G\u00f6ttingen, welche laufende Kosten wie die Pflege der Website decken. Ansonsten beruht das GoJIL vollst\u00e4ndig auf der ehrenamtlichen Mitarbeit von Studierenden und den Mitgliedern der Beir\u00e4te.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Der Aufbau des Journals<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das GoJIL besteht im Wesentlichen aus drei <a href=\"http:\/\/www.gojil.eu\/index.php\/about\/people\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Gremien<\/a>: dem Editorial Board, dem Advisory Board und dem Scientific Advisory Board. Das Advisory Board setzt sich aus \u00a0Wissenschaftler*innen und praktizierenden V\u00f6lkerrechtler*innen zusammen, die das GoJIL mit ihrer Expertise auf dem Gebiet des V\u00f6lkerrechts in Fragen der Ausrichtung des Journals beraten. Zu den renommierten\u00a0Mitgliedern z\u00e4hlen z.B.\u00a0die ehemaligen IGH-Richter Thomas Buergenthal und Bruno Simma. Dem\u00a0Scientific Advisory Board geh\u00f6ren\u00a0j\u00fcngere Wissenschaftler*innen an. Sie erstellen die wichtigen Gutachten f\u00fcr den double-blind peer review-Prozess und leisten der studentischen Redaktion inhaltliche Unterst\u00fctzung. In sprachlicher Hinsicht werden Artikel von Muttersprachler*innen mit juristischem Hintergrund korrigiert, welche das Native Speaker Board bilden.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das Editorial Board steht als eigentliche Redaktion im Zentrum des Journals. Es besteht aus Studierenden der Rechtswissenschaften und Politikwissenschaften. Diese koordinieren die Ver\u00f6ffentlichung von Ausgaben und \u00fcbernehmen allt\u00e4gliche Redaktionsarbeiten, welche im Wesentlichen die Vorstellung von Artikeln, die Editierung und das Lektorat umfassen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Was bringt das GoJIL den Studierenden?<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Studierenden setzen sich in verschiedenen Phasen des Redaktionsprozesses inhaltlich mit den eingegangenen Artikeln auseinander, von der ersten Vorstellung \u00fcber die Besprechung des Artikels auf Grundlage der Gutachten, bis zur Zusammenarbeit mit den Autoren auf dem Weg zur Ver\u00f6ffentlichung.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Da \u00fcber die Annahme oder Ablehnung eines (Gro\u00df-)teils der Artikel erst aufgrund der Gutachten aus dem double-blind peer review-Prozess entschieden wird, erh\u00e4lt die Redaktion zudem unmittelbar die Einsch\u00e4tzung und R\u00fcckmeldung von Expert*innen zu dem jeweiligen Thema. Diese hilft den Studierenden bei der eigenen Bewertung von Artikeln und gibt weiterhin Hinweise zu der wissenschaftlichen Relevanz des Artikels.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Mitarbeit in der Redaktion gibt Studierenden eine Perspektive auf das V\u00f6lkerrecht, die st\u00e4rker problembezogen sein mag als eine klassische Vorlesung, in welcher die Grundlagen des V\u00f6lkerrechts in seiner Breite gelernt werden k\u00f6nnen. Studentische Law Journals sind daher kein Ersatz f\u00fcr Vorlesungen, k\u00f6nnen aber eine sinnvolle und bereichernde Erg\u00e4nzung sein und \u00fcberhaupt zur Entscheidung motivieren, den Schwerpunktbereich Internationales Recht zu w\u00e4hlen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Dar\u00fcber hinaus arbeiten in der Redaktion Studierende verschiedener Fachsemester zusammen und lernen auch voneinander. Es ist in einer solchen Gruppe leichter, Fragen zu stellen und sich etwas noch einmal erkl\u00e4ren zu lassen; gleichzeitig ist auch das Erkl\u00e4ren und Diskutieren von v\u00f6lkerrechtlichen Aspekten eine gute \u00dcbung f\u00fcr fortgeschrittene Studierende.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Fachkonferenzen, Vortr\u00e4ge und wissenschaftliches Arbeiten<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00dcber die Konzeption von Schwerpunktausgaben und die Entscheidung f\u00fcr themenspezifische Call for Papers setzen sich die Redakteur*innen aktiv mit aktuellen Diskussionen im V\u00f6lkerrecht auseinander. Diese eigenverantwortliche Arbeitsweise unterscheidet sich ma\u00dfgeblich von der rezipierenden Herangehensweise an Stoff in der klassischen juristischen Ausbildung.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Regelm\u00e4\u00dfig l\u00e4dt die Redaktion zu Fachkonferenzen und Vortr\u00e4gen ein. Vergangene, von GoJIL mitorganisierte Konferenzen waren beispielsweise \u201e<a href=\"http:\/\/www.gojil.eu\/21-home\/\"><em>Strategies for Solving Global Crises &#8211; The Financial Crisis and Beyond<\/em><\/a>\u201c, \u201e<a href=\"http:\/\/www.gojil.eu\/31-home\/\"><em>Resources of Conflicts \u2013 Conflicts over Resources<\/em><\/a>\u201c oder \u201e<a href=\"http:\/\/www.gojil.eu\/42-home\/\"><em>Precursors to International Constitutionalism<\/em><\/a>\u201c. Im Dezember 2015 organisierte das Journal in G\u00f6ttingen einen Gastvortrag des Berichterstatters der UN V\u00f6lkerrechtskommission f\u00fcr ius cogens, Professor <em>Dire Tladi<\/em>. Redaktionsmitglieder kommen so direkt in Kontakt mit V\u00f6lkerrechtler*innen und k\u00f6nnen Diskussionen mitgestalten.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das GoJIL sieht sich einem hohen Qualit\u00e4tsstandard verpflichtet, was sich unter anderem in Zitierungen\u00a0von GoJIL-Beitr\u00e4gen in anderen Law Journals (z.B. im Harvard International Law Journal, Yale Journal of International Law, Columbia Journal of Transnational Law, European Journal of International Law, American Journal of International Law) widerspiegelt. Durch die sorgf\u00e4ltige und aufmerksame Arbeit an den Artikeln\u00a0im Editierungsprozess\u00a0schulen die Studierenden auch F\u00e4higkeiten, die bei Haus- und Seminararbeiten hilfreich sind. Weiterhin bietet die Mitarbeit in der Redaktion die M\u00f6glichkeit, die fachspezifischen Englischkenntnisse auszubauen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Nachwuchsarbeit bleibt trotz des gro\u00dfen Erfahrungsschatzes in der Redaktion eine Herausforderung. Es gilt, die Vorteile der Mitarbeit am Projekt aufzuzeigen und gleichzeitig deutlich zu machen, dass sich Studierende auch mit eigenen Ideen einbringen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">So gewinnt das GoJIL nicht nur V\u00f6lkerrechtsinteressierte, sondern auch Studierende, die zun\u00e4chst prim\u00e4r an der Redaktionsarbeit interessiert sind. Nicht selten hat die Redaktionsarbeit in diesen F\u00e4llen aber doch das Interesse am V\u00f6lkerrecht wecken k\u00f6nnen. In G\u00f6ttingen nimmt das GoJIL inzwischen einen festen Platz bei der Ausbildung von Studierenden ein. Die n\u00e4chste Ausgabe des GoJIL erscheint im Fr\u00fchjahr diesen Jahres.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Franziska Berg ist Mitglied der Chefredaktion des Goettingen Journal of International Law. Die Autorin dankt den Redakteur*innen des GoJIL f\u00fcr Ideen und Anregungen zu diesem Beitrag.<\/em><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<blockquote>\n<p style=\"text-align: justify;\">Cite as: Franziska Berg, \u201cV\u00f6lkerrecht im Fokus der Arbeit einer studentischen Redaktion\u201d, <em>V\u00f6lkerrechtsblog<\/em>,\u00a014\u00a0March 2016, doi: 10.17176\/20171130-094343.<\/p>\n<\/blockquote>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Das Goettingen Journal of International Law (GoJIL) sieht sich nicht nur als wissenschaftliches Journal, sondern auch als studentische Initiative mit dem Ziel, Studierenden das V\u00f6lkerrecht und das wissenschaftliche Publizieren n\u00e4herzubringen. 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