{"id":4045,"date":"2017-12-11T00:00:00","date_gmt":"2017-12-11T07:35:16","guid":{"rendered":"https:\/\/staging.voelkerrechtsblog.org\/articles\/die-trump-administration-der-kongress-und-das-dilemma-des-jcpoa\/"},"modified":"2021-05-19T10:18:29","modified_gmt":"2021-05-19T08:18:29","slug":"die-trump-administration-der-kongress-und-das-dilemma-des-jcpoa","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/voelkerrechtsblog.org\/de\/die-trump-administration-der-kongress-und-das-dilemma-des-jcpoa\/","title":{"rendered":"Die Trump-Administration, der Kongress und das Dilemma des JCPOA"},"content":{"rendered":"<p>Nach knapp 12 Jahren stockend verlaufender Verhandlungen, verbunden mit massivem wirtschaftlichen Druck auf Iran, konnten sich am 14.07.2015 die Au\u00dfenminister der EU-3+3 \u2013 Bezeichnung f\u00fcr Staaten (P5+Deutschland), die sich den diplomatischen Bem\u00fchungen mit Iran anschlossen &#8211; und Iran in Wien auf den gemeinsamen umfassenden Aktionsplan, den JCPOA (<em>Joint Comprehensive Plan of Action<\/em>), einigen. Dieser Meilenstein, insbesondere in den amerikanisch-iranischen Beziehungen, wurde durch die Wahl des moderaten Kandidaten Hassan Rouhani in Iran und die Mitwirkung der Obama-Administration erm\u00f6glicht. Die Vereinbarung wurde sodann anhand pers\u00f6nlichen Einbringens von den Chefdiplomaten, Au\u00dfenministern der USA sowie des Iran, John Kerry und Javad Zarif, ausgehandelt. Grob zusammengefasst beinhaltet die Vereinbarung, dass Iran erhebliche Einschr\u00e4nkungen und erh\u00f6hte Transparenz bez\u00fcglich seines Atomprogrammes akzeptiert. Im Gegenzug daf\u00fcr wurden die multi- und unilateralen <strong>nuklearbezogenen<\/strong> Sanktionen ausgesetzt. Bereits w\u00e4hrend der Pr\u00e4sidentschaftswahlen in den USA aber \u00e4u\u00dferte sich Donald Trump mit extrem scharfen Ton <a href=\"https:\/\/ballotpedia.org\/2016_presidential_candidates_on_the_Iran_nuclear_deal\">gegen<\/a> den JCPOA und machte seine Aufl\u00f6sung zur &#8220;<a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=5aBSsoUEiUA\">Priorit\u00e4t Nummer eins<\/a>&#8220;. An dieser anti-JCPOA-Rhetorik h\u00e4lt er auch nach der Wahl &#8211; zuletzt in seiner <a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=B2j0vJBQPbY\">Rede<\/a> vor der 72. UN-Generalversammlung &#8211; fest.<\/p>\n<p>Doch wie kann die Trump-Administration die Wiener Vereinbarung torpedieren und inwieweit wird dies juristisch tragbar sein?<\/p>\n<p><strong>Austritt: V\u00f6lkerrechtlicher Vertrag oder Soft Law<\/strong><\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/opil.ouplaw.com\/view\/10.1093\/law:epil\/9780199231690\/law-9780199231690-e1481?rskey=pXaFBE&amp;result=17&amp;prd=EPIL\">V\u00f6lkerrechtliche Vertr\u00e4ge<\/a> sind durch Staaten auf dem Gebiet des V\u00f6lkerrechts geschlossene Vereinbarungen, die durch \u00fcbereinstimmenden Rechtsbindungswillen der Parteien v\u00f6lkerrechtliche Rechte und Pflichten begr\u00fcnden k\u00f6nnen. Diese werden schriftlich verfasst, bed\u00fcrfen in aller Regel der Zustimmung der Parlamente der jeweiligen Staaten sowie einer nach Au\u00dfen getragenen Ratifikation. Da ausschlie\u00dflich Staaten am Abschluss beteiligt sind, mag zun\u00e4chst scheinen, dass der JCPOA ein v\u00f6lkerrechtlicher Vertrag i.S.d. Art. 2 I lit. a der <a href=\"https:\/\/treaties.un.org\/doc\/publication\/unts\/volume%201155\/volume-1155-i-18232-english.pdf\">Wiener Vertragsrechtskonvention<\/a> sei. Allerdings kann dieser Sichtweise der anderslautende Wille der Hauptakteure (<a href=\"https:\/\/de.scribd.com\/document\/291042867\/Letter-from-State-Department-Regarding-JCPOA#fullscreen&amp;from_embed\">die USA<\/a> und <a href=\"http:\/\/www.irdiplomacy.ir\/fa\/page\/1951553\/\u0628\u0631\u062c\u0627\u0645\u061b+\u0633\u0646\u062f\u06cc+\u062f\u0627\u0648\u0637\u0644\u0628\u0627\u0646\u0647++\u0648+\u063a\u06cc\u0631\u0627\u0644\u0632\u0627\u0645%E2%80%8C\u0622\u0648\u0631.html\">Iran<\/a>) sowie der Wortlaut der Vereinbarung entgegengehalten werden. Somit ist die &#8220;Freiwilligkeit&#8221; der gegenseitigen Ma\u00dfnahmen unbestreitbar. Ferner wurde der JCPOA weder unterzeichnet noch v\u00f6lkerrechtlich ratifiziert.<\/p>\n<p>Er wurde auch durch die <a href=\"http:\/\/www.undocs.org\/S\/RES\/2231(2015)\">UNSR-Res. 2231<\/a> nicht v\u00f6lkerrechtlich verbindlich. Vielmehr hat der Sicherheitsrat ihn seinem unverbindlichen Inhalt nach best\u00e4tigt (Operativer Punkt 1) und alle Mitgliedstaaten &#8220;aufgerufen&#8221;, dessen Umsetzung zu unterst\u00fctzen (OP 2). Somit l\u00e4sst sich der JCPOA als eine nichtverbindliche zwischenstaatliche Vereinbarung unter <a href=\"http:\/\/opil.ouplaw.com\/view\/10.1093\/law:epil\/9780199231690\/law-9780199231690-e1469?rskey=c4YVya&amp;result=1&amp;prd=EPIL\">Soft Law<\/a> kategorisieren. Die US-Regierung kann also jederzeit aus der Vereinbarung austreten, ohne das V\u00f6lkerrecht zu verletzen. Jedenfalls dadurch, dass der JCPOA multilateral ausgehandelt und auch zu einer UN-Sicherheitsratsresolution annektiert worden ist, ist indes die Schwelle f\u00fcr einen einseitigen Austritt erheblich hoch.<\/p>\n<p><strong>Snap-Back-Funktion<\/strong><\/p>\n<p>F\u00fcr m\u00f6gliche Nichteinhaltungsf\u00e4lle sieht der JCPOA einen sog. \u201eSnap-Back-Mechanismus\u201c vor. Demzufolge kann jede Partei Umsetzungsbeschwerden im Rahmen eines Streitschlichtungsverfahrens (OP 36) zun\u00e4chst der Gemeinsamen Kommission (GK) vorlegen. Ist dies erfolglos, k\u00f6nnen parallel die Au\u00dfenminister und ein dreik\u00f6pfiger Beratender Ausschuss um eine Stellungnahme gebeten werden. Besteht nach Ansicht des Beschwerdef\u00fchrers dennoch eine <strong>signifikante Nichteinhaltung<\/strong> fort, so kann er seinerseits die Verpflichtungen aus dem JCPOA suspendieren und dies dem Sicherheitsrat mitteilen. Der Sicherheitsrat m\u00fcsste dann binnen 30 Tagen nach Art. 27 <a href=\"https:\/\/treaties.un.org\/doc\/publication\/ctc\/uncharter.pdf\">UN-Charta<\/a> eine Resolution diesmal <strong>zur Fortsetzung der Sanktionsaufhebungen<\/strong> verabschieden (OP 37).<\/p>\n<p>Durch dieses \u00e4u\u00dferst innovative Instrument k\u00f6nnten die USA de jure ganz eigenst\u00e4ndig mit Blick auf ihr Vetorecht das gesamte Sanktionsregime des UNSR wiederbeleben. Warum die Trump-Administration bisher von dieser Option keinen Gebrach gemacht hat, ist nicht schwer zu beantworten. Denn im JCPOA wurde die Internationale Atomenergiebeh\u00f6rde (IAEA) als einziges Organ mit Kontrollbefugnissen bzgl. der von Iran umzusetzenden Ma\u00dfnahmen beliehen (GP X und OP 15). Seit der Vereinbarung hat die IAEA <a href=\"https:\/\/www.iaea.org\/newscenter\/focus\/iran\/iaea-and-iran-iaea-reports\">neun aufeinanderfolgende Berichte<\/a> ver\u00f6ffentlicht, die alle zum Schluss kommen, dass Iran die Vereinbarung einh\u00e4lt. Somit scheint die Geltendmachung einer signifikanten Nichteinhaltung, die n\u00f6tig ist, um die Snap-Back-Funktion zu aktivieren, buchst\u00e4blich unbegr\u00fcndet. Entgegen der <a href=\"https:\/\/www.aei.org\/publication\/nikki-haley-address-on-iran-and-the-jcpoa\/\">Behauptungen<\/a> der US-Botschafterin bei den VN Nikki Haley, r\u00e4umte zuletzt neben dem Vorsitzenden der Armee-Generalschefs <a href=\"https:\/\/www.armed-services.senate.gov\/imo\/media\/doc\/Dunford_APQs_09-26-17.pdf\">Dunford<\/a> auch der Chefdiplomat Tillerson die \u201e<a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?time_continue=10&amp;v=a29jmkauzeU\">technische Einhaltung<\/a>\u201c Irans am JCPOA ein.<\/p>\n<p><strong>Die Raketentests<\/strong><\/p>\n<p>Auch nach der Vereinbarung f\u00fchrte Iran weiter kontroverse Raketentests durch. Der JCPOA selbst behandelt jedoch das iranische Raketen- und Tr\u00e4gertechnologieprogramm nicht. Er war, wie bei seiner <a href=\"http:\/\/eeas.europa.eu\/archives\/docs\/statements-eeas\/docs\/150714_01_en.pdf\">gemeinsamen Ank\u00fcndigung<\/a> und sp\u00e4ter durch die Hohe Vertreterin der EU Mogherini <a href=\"https:\/\/twitter.com\/camanpour\/status\/910939111556489216\">betont<\/a>, nur auf das iranische Nuklearprogramm gerichtet. Jedoch deutet der Wortlaut der Res. 2231 darauf hin, dass im Rahmen der Verhandlungen auch in diesem Zusammenhang einen Kompromiss geschlossen worden ist. Denn nach dem JCPOA (OP 18) und der entsprechenden Res. 2231 (OP 7 lit. a i.V.m. OP 5) wurden alle vorherigen Sicherheitsratsresolutionen &#8211; inkl. der <a href=\"http:\/\/www.un.org\/ga\/search\/view_doc.asp?symbol=S\/RES\/1929%282010%29\">UNSR-Res. 1929<\/a>, die das Raketenprogramm behandelte \u2013 aufgehoben. Somit war eine erneute Stellungnahme des UNSR ohnehin notwendig.<\/p>\n<p>So verbat man in der Res. 1929 Iran mit rechtsverbindlicher Sprache ballistische Raketentests (OP 9).<\/p>\n<p><strong><em>Decides<\/em><\/strong><em> that Iran <strong>shall not<\/strong> undertake any activity related to ballistic missiles<strong> capable of <\/strong>delivering nuclear weapons [&#8230;].<\/em><\/p>\n<p>Demgegen\u00fcber ersetzt die Res. 2231 dieses Verbot durch eine Aufforderung und nur bzgl. ballistischer Rakete, die zum Tragen von Nuklearwaffen entwickelt worden sind (Annex B OP 3).<\/p>\n<p><em>Iran is <strong>called upon<\/strong> not to undertake any activity related to ballistic missiles <strong>designed to be capable <\/strong>of delivering nuclear weapons [&#8230;].<\/em><\/p>\n<p>Seither lassen die Raketentests die Meinungen der P5 im UNSR auseinandergehen. Obwohl die USA die Tests zun\u00e4chst als einen Versto\u00df sowohl <a href=\"http:\/\/www.reuters.com\/article\/us-iran-usa\/trump-administration-tightens-iran-sanctions-tehran-hits-back-idUSKBN15H253\">gegen den \u201eGeist\u201c des JCPOA<\/a> (GP VIII), als auch den Wortlaut der Res. 2231 <a href=\"http:\/\/www.un.org\/en\/ga\/search\/view_doc.asp?symbol=S\/PV.7990\">werteten<\/a>, mussten sie diese Position zuletzt im Rahmen einer <a href=\"https:\/\/www.state.gov\/r\/pa\/prs\/ps\/2017\/07\/272934.htm\">gemeinsamen Erkl\u00e4rung<\/a> mit Frankreich, Gro\u00dfbritannien und Deutschland relativieren und sich mit der Formulierung \u201eunvereinbar mit der Res. 2231\u201c zufriedengeben. Allerdings wird selbst die \u201eUnvereinbarkeit\u201c von China und Russland <a href=\"http:\/\/www.un.org\/en\/ga\/search\/view_doc.asp?symbol=S\/PV.7990\">nicht mitgetragen<\/a>. Sie scheinen sich der <a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=ReaHBggqiiM\">Argumentation<\/a> Irans anzuschlie\u00dfen, nach der die Raketen nicht zum Tragen der ohnehin nicht vorhandenen nuklearen Sprengk\u00f6pfe entwickelt werden.<\/p>\n<p>Jedenfalls ist festzuhalten, dass der JCPOA und die Res. 2231 zwei getrennte (Rechts-)Regime verk\u00f6rpern. Nimmt man allenfalls die v\u00f6lkerrechtlich folgenlose \u201eUnvereinbarkeit\u201c der Raketentests mit der neuen Resolution an, so bleibt der JCPOA davon unber\u00fchrt. Im Widerspruch zu einigen <a href=\"https:\/\/www.reuters.com\/article\/us-iran-nuclear-usa-sanctions\/iran-says-new-u-s-sanctions-violate-nuclear-deal-vows-proportional-reaction-idUSKBN1AI2N0\">Stellungnahmen<\/a> aus Iran verstie\u00df aber auch das unilateral durch die USA verabschiedete Sanktionsgesetz <a href=\"https:\/\/www.congress.gov\/bill\/115th-congress\/house-bill\/3364\/text\">H.R.3364<\/a> (Sec. 104) als Reaktion auf das Raketenprogramm nicht gegen den JCPOA.<\/p>\n<p><strong>Sunset clause<\/strong><strong>\u00a0<\/strong><\/p>\n<p>Ein weiterer Aspekt der Vereinbarung, der von der Trump-Administration <a href=\"http:\/\/www.foxnews.com\/politics\/2017\/09\/19\/tillerson-says-iran-nuclear-deal-really-has-to-be-revisited.html\">missbilligt<\/a> wird und nach deren Ansicht neu verhandelt werden muss, ist die sog. <strong>Auslaufklausel<\/strong>. Solche Klauseln legen als aufl\u00f6sende Bedingung das Au\u00dferkrafttreten einer Einigung fest. Der JCPOA enth\u00e4lt aber keine generelle Auslaufklausel. Gleichwohl sind viele nuklearbezogenen Beschr\u00e4nkungen Irans auf eine bestimmte Zeit begrenzt. So etwa bzgl.<\/p>\n<ul>\n<li>der Anzahl und Art der funktionierenden Zentrifugen und des Urananreicherungsgrads auf jeweils <strong>bis zu 15 Jahre<\/strong> (OP 2 ff.),<\/li>\n<li>der Schwerwasserreaktortechnologie auf <strong>bis zu 15 Jahre<\/strong> (OP 10 ff.)<\/li>\n<li>und der Gew\u00e4hrung von Transparenz und anderer vertrauensbildender Ma\u00dfnahmen auf <strong>bis zu 25 Jahre<\/strong> (OP 15), wobei die Verpflichtung Irans zur Anwendung des nicht k\u00fcndbaren <a href=\"https:\/\/www.iaea.org\/sites\/default\/files\/infcirc540.pdf\">Zusatzprotokolls<\/a> zum <a href=\"https:\/\/www.iaea.org\/sites\/default\/files\/publications\/documents\/infcircs\/1970\/infcirc140.pdf\">Nichtverbreitungsvertrag<\/a> (NPT) durch dessen Ratifikation <strong>dauerhaft<\/strong> werden soll (OP 13 i.V.m. Annex V OP 8 u. 22).<\/li>\n<\/ul>\n<p>Was allerdings das Auslaufen der Res. 2231 selbst und somit die <strong>Beendigung der Snap-Back-Funktion<\/strong> anbelangt, so ist dies auf <strong>10 Jahre nach der Annahme des JCPOA<\/strong> (<em>Adoption Day<\/em>, 18.10.2015) festgesetzt (OP 8 Res. 2231, Annex V OP 23 JCPOA). Auch wenn diese Beendigung unbeschadet der \u00fcber 10 Jahre hinaus andauernden Verpflichtungen Irans erfolgt (Annex V OP 26), steht danach realistisch gesehen den westlichen Gro\u00dfm\u00e4chten kein internationales sofort zu ergreifendes Druckmittel mehr zur Verf\u00fcgung. Denn bei einem Versto\u00df seitens Iran wird f\u00fcr neue Sicherheitsratsresolutionen wiederum die Mitwirkung von China und Russland notwendig. Ob die Parteien zum\u00a0jetzigen Zeitpunkt bereit sind, auf Wunsch der neuen US-Administration diese Bestimmungen neu zu verhandeln, ist mit Blick auf die offensichtliche Ablehnungen sowohl durch <a href=\"https:\/\/twitter.com\/JZarif\/status\/908350661657538561\">Iran<\/a>\u00a0als auch die <a href=\"https:\/\/twitter.com\/eu_eeas\/status\/910776833725124608\">EU<\/a>, <a href=\"http:\/\/www.fmprc.gov.cn\/mfa_eng\/xwfw_665399\/s2510_665401\/t1494956.shtml\">China<\/a> und <a href=\"http:\/\/www.presstv.ir\/Detail\/2017\/09\/22\/536110\/Iran-Russia-nuclear-deal\">Russland<\/a> zu verneinen.<\/p>\n<p><strong>Corker-Cardin Law<\/strong><\/p>\n<p>Bemerkenswert ist, dass die Anwendung der unilateralen Sanktionen der USA durch die Durchf\u00fchrungsbefugnisse des amerikanischen Pr\u00e4sidenten nur \u201eeingestellt\u201c worden ist. Denn der mehrheitlich republikanisch besetzte Kongress zeigte bereits im Laufe der Verhandlungen seine Abneigung bez\u00fcglich der Aufhebung der US-Sanktionen. Folglich wurde nach der Einigung durch den Erlass des \u201e<a href=\"https:\/\/www.congress.gov\/114\/plaws\/publ17\/PLAW-114publ17.pdf\"><em>Iran Nuclear Agreement Review Act of 2015<\/em><\/a>\u201c eine neue H\u00fcrde f\u00fcr die Umsetzung des JCPOA geschaffen. So verpflichtet INARA durch die Novellierung von Sec. 135(d)(6) des \u201e<a href=\"https:\/\/legcounsel.house.gov\/Comps\/Atomic%20Energy%20Act%20Of%201954.pdf\"><em>Atomic Energy Act of 1954<\/em><\/a>\u201c den US-Pr\u00e4sidenten, alle 90 Tage zu zertifizieren, dass<\/p>\n<ul>\n<li>Iran die Vereinbarung weiterhin vollst\u00e4ndig implementiert,<\/li>\n<li>keine terroristischen Handlungen gegen die USA vorgenommen oder direkt unterst\u00fctzt hat,<\/li>\n<li>die Suspendierung der Sanktionen geeignet und verh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfig sowie notwendig f\u00fcr das <strong>nationale Sicherheitsinteresse der USA<\/strong><\/li>\n<\/ul>\n<p>Erteilt der Pr\u00e4sident die geforderte Zertifizierung nicht, so reklamiert der Kongress f\u00fcr sich das Recht, binnen 60 Tagen den JCPOA zu \u00fcberpr\u00fcfen und ggf. die <strong>US-Sanktionen<\/strong> zur\u00fcck ins Leben zu rufen. Nachdem Trump im <a href=\"https:\/\/www.state.gov\/secretary\/remarks\/2017\/04\/270315.htm\">April<\/a> und <a href=\"https:\/\/www.state.gov\/r\/pa\/prs\/ps\/2017\/07\/272635.htm\">Juli<\/a> das Vorliegen der o.g. Voraussetzungen, wenn auch <a href=\"https:\/\/www.nytimes.com\/2017\/07\/17\/us\/politics\/trump-iran-nuclear-deal-recertify.html\">mit<\/a> Unwillen, best\u00e4tigt hat, hat er dies am 13.10.2017 erwartungsgem\u00e4\u00df <a href=\"https:\/\/www.whitehouse.gov\/the-press-office\/2017\/10\/13\/remarks-president-trump-iran-strategy\">abgelehnt<\/a> und die Entscheidung dem Kongress \u00fcberlassen.<\/p>\n<p><strong>Corker-Cotton Law<\/strong><\/p>\n<p>Nun arbeiten zwei republikanische Senatoren an einem neuen Gesetzesentwurf zur Behandlung der \u201eM\u00e4ngel\u201c des JCPOA. Soweit es bisher <a href=\"https:\/\/www.cotton.senate.gov\/files\/documents\/171013_INARA_Amendment_Fact_Sheet.pdf\">bekannt<\/a> geworden ist, sollen demnach die US-Sanktionen wieder in Kraft treten, sollte Iran nach Beendigung der Einschr\u00e4nkungsphase die sogenannte <strong>Breakout-Frist<\/strong> von einem Jahr ann\u00e4hern. Die Breakout-Frist berechnet sich nach dem Zeitfenster, das ben\u00f6tigt wird, um f\u00fcr eine Nuklearbombe gen\u00fcgend Uran anzureichern. Dabei fallen die Art und Zahl der aktiven Zentrifugen ins Gewicht. Unklar ist allerdings bis dato, welche Stelle \u00fcber die Breakout-Frist entscheidet. Au\u00dferdem soll anhand <strong>permanenter<\/strong> sowie <strong>erweiterter Inspektionen<\/strong> gegen die \u201eAuslaufklauseln\u201c vorgegangen werden. Aus den Stellungnahmen geht hervor, dass dem JCPOA zuwider und anders als in INARA <strong>die Raketentests<\/strong> mit der Nuklearfrage <a href=\"http:\/\/thehill.com\/policy\/defense\/355307-corker-cotton-to-propose-bill-to-address-issues-with-iran-nuclear-deal\">verbunden<\/a> werden sollen, was die schon komplizierte Lage mehr durcheinanderbringen w\u00fcrde.<\/p>\n<p><strong>Ausblick<\/strong><\/p>\n<p>Allenfalls erwartet man bis zum Jahresende ein klares Signal aus dem Kongress und der Administration in Washington. Es bleibt zu sehen, ob die <a href=\"http:\/\/www.atlanticcouncil.org\/?view=article&amp;id=37288:european-ambassadors-defend-iran-nuclear-deal\">Bem\u00fchungen<\/a> insbesondere durch die EU tats\u00e4chlich <a href=\"https:\/\/eeas.europa.eu\/headquarters\/headquarters-homepage\/35221\/remarks-high-representativevice-president-federica-mogherini-press-briefing-during-her-visit_ro\">fruchten<\/a> oder ob der JCPOA als eines der wenigen Hoffnungszeichen zur Verhinderung einer milit\u00e4rischen Auseinandersetzung durch die Diplomatie unterminiert wird. Ein m\u00f6glicher Austritt der USA tr\u00e4gt einem nuklearen R\u00fcstungslauf im Nahen Osten bei und beeintr\u00e4chtigt das Nichtverbreitungsregime. Zudem wirkt sich die extreme Besch\u00e4digung der Glaubw\u00fcrdigkeit der USA mittelbar auf die sich versch\u00e4rfende Nordkorea-Krise durchaus negativ aus.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<blockquote><p>Cite as: Khashayar Biria, &#8220;Die Trump-Administration, der Kongress und das Dilemma des JCPOA&#8221;, <em>V\u00f6lkerrechtsblog<\/em>, 11\u00a0December 2017 Year, doi:10.17176\/20171211-083256.<\/p><\/blockquote>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Nach knapp 12 Jahren stockend verlaufender Verhandlungen, verbunden mit massivem wirtschaftlichen Druck auf Iran, konnten sich am 14.07.2015 die Au\u00dfenminister der EU-3+3 \u2013 Bezeichnung f\u00fcr Staaten (P5+Deutschland), die sich den diplomatischen Bem\u00fchungen mit Iran anschlossen &#8211; und Iran in Wien auf den gemeinsamen umfassenden Aktionsplan, den JCPOA (Joint Comprehensive Plan of Action), einigen. 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