{"id":17139,"date":"2022-04-05T08:00:48","date_gmt":"2022-04-05T06:00:48","guid":{"rendered":"https:\/\/voelkerrechtsblog.org\/?p=17139"},"modified":"2022-04-19T19:27:20","modified_gmt":"2022-04-19T17:27:20","slug":"nachruf-knut-ipsen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/voelkerrechtsblog.org\/de\/nachruf-knut-ipsen\/","title":{"rendered":"Nachruf Knut Ipsen"},"content":{"rendered":"<p>Professor Dr. Dr. h.c. mult. Knut Ipsen ist am 17. M\u00e4rz 2022 im Alter von 86 Jahren gestorben. Als <a href=\"https:\/\/news.rub.de\/presseinformationen\/leute\/2022-03-28-nachruf-die-rub-trauert-um-knut-ipsen\"><u>\u201ewissenschaftlicher und hochschulpolitischer Macher<\/u><\/a>\u201c hatte er eine beispiellose Karriere, die ganz im Zeichen der Friedenssicherung und vor allem des humanit\u00e4ren V\u00f6lkerrechts stand.<\/p>\n<p>Knut Ipsen wurde 1935 in Hamburg geboren. Seine nordische Herkunft betonte er stets &#8211; er war im besten Sinne ein echter und stolzer Hanseat.\u00a0Nach dem dreij\u00e4hrigen Wehrdienst, seinem Jurastudium und juristischem Vorbereitungsdienst wurde er 1967 in Kiel promoviert. Der dortigen Christian Albrechts Universit\u00e4t und dem dortigen Institut f\u00fcr Internationales Recht, das 1995 in Walther Sch\u00fccking Institut umbenannt wurde, blieb er stets verbunden. Anschlie\u00dfend habilitierte er sich 1972 mit einer Arbeit zum Thema \u201eBiologische und chemische Kampfmittel im V\u00f6lkerrecht\u201c. Nach einer Lehrstuhlvertretung in Kiel wurde er 1974 auf einen Lehrstuhl an die Ruhr-Universit\u00e4t Bochum berufen, die er in der Folgezeit wie kaum ein anderer pr\u00e4gte. Er hatte mehr als zwei Jahrzehnte den Lehrstuhl f\u00fcr \u00d6ffentliches Recht (V\u00f6lkerrecht) inne, gr\u00fcndete das Institut f\u00fcr Friedenssicherungsrecht und Humanit\u00e4res V\u00f6lkerrecht (IFHV), dessen Gesch\u00e4ftsf\u00fchrender Direktor der Autor dieses Nachrufes nun ist, und leitete dazu zehn Jahre lang als Rektor die Geschicke der RUB \u2013 l\u00e4nger als jeder andere Rektor vor und nach ihm.<\/p>\n<p>Dabei ist nicht nur sein hochschulpolitischer Verdienst bemerkenswert.\u00a0Insbesondere sein Wirken im Bereich des (humanit\u00e4ren) V\u00f6lkerrechts sucht seines gleichen. Zu seinen akademischen Sch\u00fclern geh\u00f6ren neben Prof. Dr. Volker Epping (Rektor der Universit\u00e4t Hannover), Professor Dr. Wolff Heintschel von Heinegg (Viadrina Universit\u00e4t Frankfurt\/Oder) und Prof. Dr. Hans-Joachim Heintze (Ruhr-Universit\u00e4t Bochum) auch international anerkannte PraktikerInnen des humanit\u00e4ren V\u00f6lkerrechts wie Dr. Heike Spieker (Deutsches Rotes Kreuz), Dr. Sascha L\u00fcder (DRK Nordrhein-Westfalen) oder Dr. Knut Doermann (IKRK). \u201eSein\u201c Lehrbuch zum V\u00f6lkerrecht, das 1962 von Eberhard Menzel begr\u00fcndet wurde und seit der 2. Auflage (auch) seinen Namen tr\u00e4gt,\u00a0gilt mittlerweile nicht nur als absolutes Standardwerk, sondern steht stellvertretend f\u00fcr seine breite v\u00f6lkerrechtliche Expertise, die er in zahlreichen Ver\u00f6ffentlichungen unter Beweis stellte. Diese Expertise war auch gefragt, als er als Mitglied der deutschen Delegation die Zusatzprotokolle zu den Genfer Konventionen aushandelte und anschlie\u00dfend als Bundeskonventionsbeauftragter und sodann Pr\u00e4sident des Deutschen Roten Kreuzes fungierte. Bei seiner Arbeit als Direktor des IFHV lag ihm neben der interdisziplin\u00e4ren Ausrichtung stets die praktische Bedeutung der Forschung am Herzen, wie z.B. bei der Mitwirkung des Instituts an der Gewohnheitsrechtsstudie des IKRK. Auf seine Arbeit blickte Professor Ipsen anl\u00e4sslich der 30-Jahr-Feier des IFHV 2019 \u2013 durchaus und zurecht stolz \u2013 zur\u00fcck, als er <a href=\"https:\/\/elibrary.bwv-verlag.de\/article\/99.105025\/huv201903022901\"><u>in einem Vortrag die Gr\u00fcndung des IFHV sowie die drei Jahrzehnte seines Wirkens reflektierte<\/u><\/a>.\u00a0Mehrfach hob er dabei die Bedeutung der interdisziplin\u00e4ren Forschung sowie der Bedeutung der Arbeit des IFHV f\u00fcr die v\u00f6lkerrechtliche und politische Praxis hervor. Seine abschlie\u00dfende Analyse, die heutige internationale Sicherheitspolitik sei kritikw\u00fcrdig, verbunden mit dem Appell, die V\u00f6lkerrechtswissenschaft werde auch zuk\u00fcnftig Beitr\u00e4ge zur Friedenssicherung leisten m\u00fcssen, hat sich schon oft bewahrheitet.<\/p>\n<p>Professor Ipsens internationales Renommee als einer der herausragenden deutschen V\u00f6lkerrechtler seiner Generation offenbart auch durch seine langj\u00e4hrige T\u00e4tigkeit als Richter am St\u00e4ndigen Schiedsgerichtshof sowie die Verleihung mehrerer Ehrendoktorw\u00fcrden, u.a. der Universit\u00e4ten Krakau, Sheffield und Frankfurt\/Oder.\u00a0Zu letztgenannter Universit\u00e4t hatte Professor Ipsen eine besondere Beziehung, denn er war ab 1992 als Gr\u00fcndungsrektor ganz ma\u00dfgeblich an ihrem Aufbau beteiligt. Die Verbindungen nach Polen, aber auch nach Frankreich, waren ihm stets eine Herzensangelegenheit.<\/p>\n<p>Die Aufz\u00e4hlung all dieser Verdienste rund um das humanit\u00e4re V\u00f6lkerrecht, die Rechtswissenschaft und die Hochschulpolitik bezeugen das au\u00dfergew\u00f6hnliche Talent und Engagement von Professor Ipsen.\u00a0Auch wenn dieser Nachruf nicht ann\u00e4hernd ausf\u00fchrlich genug ist, um all seinen Verdiensten gerecht zu werden, so kann er doch hoffentlich ein Gef\u00fchl daf\u00fcr vermitteln, was Knut Ipsen als Professor ausgezeichnet hat: sein unerm\u00fcdlicher Einsatz f\u00fcr die Wissenschaft, seine Qualit\u00e4t als <a href=\"https:\/\/www.beck-shop.de\/epping-bruecken-bauen-begehen\/product\/2402\"><u>Br\u00fcckenbauer<\/u><\/a> und F\u00fchrungsfigur, und seine unumstrittene Expertise im humanit\u00e4ren V\u00f6lkerrecht, die wohl kein zweiter in dieser Form f\u00fcr \u00a0sich in Anspruch nehmen kann.<\/p>\n<p>Das IFHV und die RUB werden nicht nur diese wissenschaftlichen, sondern auch seine menschlichen Qualit\u00e4ten in Erinnerung behalten.\u00a0Sein Einsatz und seine Hilfsbereitschaft, seine offene Art und seine nie endende Wissbegierigkeit\u00a0bleiben unvergessen. Professor Ipsen hatte auch immer ein offenes Ohr f\u00fcr die Ideen (j\u00fcngerer) Wissenschaftler:innen \u2013 so stand er etwa den erfolgreichen Bochumer Jessup Moot Court Teams jedes Jahr mit Rat und Tat zur Seite.\u00a0Er bereicherte bis zuletzt akademische Konferenzen,\u00a0insbesondere an seinen beiden <em>almae matres<\/em> in Kiel und Bochum, mit klugen und wichtigen Diskussionsbeitr\u00e4gen \u2013 zu nahezu s\u00e4mtlichen Fragen des V\u00f6lkerrechts.<\/p>\n<p>Das V\u00f6lkerrecht hat einen seiner gr\u00f6\u00dften Verfechter verloren, das IFHV seinen Gr\u00fcndungsdirektor, die Ruhr-Universit\u00e4t Bochum ihren Altrektor.\u00a0Wir alle werden ihn als freundschaftlichen Ratgeber schmerzlich vermissen.\u00a0Die Disziplin, der er sein Leben und Wirken verschrieben und die er so entscheidend mitgepr\u00e4gt hat \u2013 also das Recht der Friedesssicherung und des bewaffneten Konflikts \u2013 ist im Jahr 2022 wichtiger und aktueller denn je.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Professor Dr. Dr. h.c. mult. Knut Ipsen ist am 17. M\u00e4rz 2022 im Alter von 86 Jahren gestorben. Als \u201ewissenschaftlicher und hochschulpolitischer Macher\u201c hatte er eine beispiellose Karriere, die ganz im Zeichen der Friedenssicherung und vor allem des humanit\u00e4ren V\u00f6lkerrechts stand. Knut Ipsen wurde 1935 in Hamburg geboren. Seine nordische Herkunft betonte er stets &#8211; [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":17,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_acf_changed":false,"footnotes":""},"categories":[6639],"tags":[],"authors":[5146],"article-categories":[5108],"doi":[],"class_list":["post-17139","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-uncategorized","authors-pierre-thielborger","article-categories-bofaxe"],"acf":{"subline":""},"meta_box":{"doi":"10.17176\/20220405-130931-0"},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/voelkerrechtsblog.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/17139","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/voelkerrechtsblog.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/voelkerrechtsblog.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/voelkerrechtsblog.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/17"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/voelkerrechtsblog.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=17139"}],"version-history":[{"count":2,"href":"https:\/\/voelkerrechtsblog.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/17139\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":17280,"href":"https:\/\/voelkerrechtsblog.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/17139\/revisions\/17280"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/voelkerrechtsblog.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=17139"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/voelkerrechtsblog.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=17139"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/voelkerrechtsblog.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=17139"},{"taxonomy":"authors","embeddable":true,"href":"https:\/\/voelkerrechtsblog.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/authors?post=17139"},{"taxonomy":"article-categories","embeddable":true,"href":"https:\/\/voelkerrechtsblog.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/article-categories?post=17139"},{"taxonomy":"doi","embeddable":true,"href":"https:\/\/voelkerrechtsblog.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/doi?post=17139"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}