{"id":12609,"date":"2021-03-08T12:00:55","date_gmt":"2021-03-08T11:00:55","guid":{"rendered":"https:\/\/voelkerrechtsblog.org\/?p=12609"},"modified":"2021-05-10T07:31:22","modified_gmt":"2021-05-10T05:31:22","slug":"voelkerrechtslunch-fuenf-fragen-an-dr-christiane-hoehn-fuehrende-beraterin-des-eu-koordinators-fuer-terrorismusbekaempfung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/voelkerrechtsblog.org\/de\/voelkerrechtslunch-fuenf-fragen-an-dr-christiane-hoehn-fuehrende-beraterin-des-eu-koordinators-fuer-terrorismusbekaempfung\/","title":{"rendered":"F\u00fcnf Fragen an Dr. Christiane H\u00f6hn"},"content":{"rendered":"<p><em>Am 15. M\u00e4rz 2021 (12 bis 13 Uhr) ist Frau Dr. Christiane H\u00f6hn der siebte Gast in unserer Gespr\u00e4chsreihe \u201c<a href=\"https:\/\/voelkerrechtsblog.org\/events\/volkerrechtslunch\/\">V\u00f6lkerrechtslunches<\/a>\u201c. Frau Dr. Christiane H\u00f6hn, LL.M. (Harvard) ist die f\u00fchrende Beraterin des EU-Antiterrorismus-Koordinators beim Rat der EU.<br \/>\n<\/em><\/p>\n<p><em>In insgesamt zw\u00f6lf Online-Gespr\u00e4chsterminen laden wir v\u00f6lkerrechtliche Expert*innen aus der Praxis zu einst\u00fcndigen Gespr\u00e4chen ein, in welchen sie in ihren Werdegang sowie ihre jetzige T\u00e4tigkeit Einblick gew\u00e4hren. Anschlie\u00dfend haben Studierende und andere Interessierte die Gelegenheit, Fragen zu Karriere und T\u00e4tigkeit zu stellen (der Veranstaltungshinweis und das Programm sowie die Zugangsdaten f\u00fcr Zoom finden sich <\/em><strong><a href=\"https:\/\/voelkerrechtsblog.org\/articles\/events\/volkerrechtslunch\/\"><em>hier<\/em><\/a><\/strong><em>).\u00a0<\/em><\/p>\n<p><em>Bereits im Vorfeld stand Frau Dr. H\u00f6hn uns Rede und Antwort:<\/em><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Warum haben Sie sich f\u00fcr eine v\u00f6lkerrechtliche Karriere entschieden?<\/strong><\/p>\n<p>Ich interessierte mich schon lange f\u00fcr internationale Beziehungen und Fremdsprachen, die ich an der Universit\u00e4t Passau mit der fachspezifischen Fremdsprachenausbildung in Englisch und Franz\u00f6sisch vertiefte. Ich hatte Interesse an friedlichem, geordneten und auf Recht basiertem Zusammenleben der Menschheit (friedliche Konfliktl\u00f6sung) und am Schutz der Menschenrechte und wusste, dass V\u00f6lkerrecht hierf\u00fcr eine zentrale Rolle zukommt. Es bietet die Grundlage, Ungerechtigkeiten kleiner zu machen und rechtsstaatliche Systeme zu f\u00f6rdern. Obwohl ich begeisterte Skifahrerin bin, eine Skilehrerausbildung habe und mein Jugendtraum war, als Skilehrerin zu arbeiten, was ich in den Semesterferien auch gemacht habe, fand ich Jura und besonders das V\u00f6lkerrecht spannender und wichtiger.<\/p>\n<p>Das dritte Studienjahr verbrachte ich mit einem DAAD-Stipendium in Genf, wo ich mich am Institut Universitaire de Hautes Etudes Internationales (HEI) und an der Universit\u00e4t Genf dem Thema V\u00f6lkerrecht widmete. Dies wurde abgerundet durch Kurse in internationalen Beziehungen und Praktika bei den Vereinten Nationen in Genf in den Bereichen humanit\u00e4re Hilfe und Abr\u00fcstung. All dies best\u00e4rkte mich in dem Wunsch, mich auf das V\u00f6lkerrecht zu spezialisieren. Ich wechselte dann nach Heidelberg, um das V\u00f6lker- und Europarechtsstudium fortzuf\u00fchren und schlie\u00dflich in V\u00f6lkerrecht zu promovieren. Au\u00dferdem arbeitete ich am Max-Planck-Institut f\u00fcr ausl\u00e4ndisches \u00f6ffentliches Recht und V\u00f6lkerrecht. Auch das Referendariat nutzte ich f\u00fcr eine Station bei den Vereinten Nationen im Bereich Menschenrechte. Letztlich vertiefte ich mein Wissen in V\u00f6lkerrecht durch einen LL.M. an der Harvard Law School, wo ich allerdings auch andere Schwerpunkte setzte (amerkanisches Verfassungsrecht, Leadership, Negotiation, Communication\/Public speaking, US political history). Parallel zur Promotion nahm ich an einem EU-Auswahlverfahren f\u00fcr Juristen teil, um eine Vielzahl von M\u00f6glichkeiten, im v\u00f6lkerrechtlichen Bereich zu arbeiten, zu erm\u00f6glichen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Was macht das V\u00f6lkerrecht f\u00fcr Sie besonders?<\/strong><\/p>\n<p>Faszinierend ist f\u00fcr mich die Vielseitigkeit des Rechtsgebiets und die Zusammenh\u00e4nge mit anderen Rechtsgebieten und Politik (Europarecht, europ\u00e4ische Grundrechte, amerikanisches Verfassungsrecht, internationale\/europ\u00e4ische Zusammenarbeit im Strafrecht, polizeirechtliche Ma\u00dfnahmen, Europ\u00e4ische Menschenrechtskonvention etc.). Ich habe nach dem 11. September zu Fragen des humanit\u00e4ren V\u00f6lkerrechts, der Menschenrechte und Terrorismusbek\u00e4mpfung gearbeitet. Diese Fragen wurden im Dialog zwischen den Rechtsberatern des US-Au\u00dfenministeriums und der EU behandelt, im Rahmen der Ratsarbeitsgruppe COJUR (Rechtsberater der Au\u00dfenministerien der Mitgliedstaaten). Sp\u00e4ter arbeitete ich im EU-USA Kontext nach den Snowden-Enth\u00fcllungen auch zu Fragen der \u00dcberwachung und des Datenschutzes. Viele spannende rechtliche und politische Fragen stellen sich auch im Bezug auf das Spannungsfeld Sicherheit\/Datenschutz\/Schutz der Privatsph\u00e4re, vor allem im Bezug auf das Internet und neue Technologien. Andere Themen sind z.B. die Vereinbarkeit der Antiterrorismusma\u00dfnahmen mit humanit\u00e4rer Hilfe, die v\u00f6lkerrechtlich gesch\u00fctzt ist, die Frage der Syrienk\u00e4mpfer und ihrer Familien, sowie Gewinnung, \u00dcbermittlung und Benutzung von Beweismitteln, die in Kriegssituationen gewonnen werden (battlefield information). Auch die Infrastruktur zur Gewinnung, dem Austausch und der Analyse von Informationen (&#8220;information sharing environment&#8221;) bietet viele spannende juristische Fragen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Was ist die gr\u00f6\u00dfte Herausforderung f\u00fcr das V\u00f6lkerrecht im 21. Jahrhundert? <\/strong><\/p>\n<p>Eine gro\u00dfe Herausforderung ist, dass V\u00f6lkerrecht nicht genug durchgesetzt wird und das Recht des St\u00e4rkeren \u00fcberhand nimmt. Rechtsbasierte multilaterale Zusammenarbeit wird schwieriger. V\u00f6lkerrecht muss auch einer sich wandelnden Gesellschaft und Realit\u00e4t angepasst werden, sich weiterentwickeln. Der gemeinsame Nenner: was ist richtig, was ist verh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfig, was ist kompatibel mit unseren Werten. Zus\u00e4tzlich sind neue Technologien, Sicherheit und Grundrechte ein wichtiges und spannendes Thema. Wir m\u00fcssen auch praktische L\u00f6sungen finden, so dass unparteiische humanit\u00e4re Hilfe trotz Anti-Terrorma\u00dfnahmen durchgef\u00fchrt werden kann. Oft k\u00f6nnen wir in bestimmten Bereichen auf EU-Ebene als Modell f\u00fcr andere Weltgegenden voranschreiten, insbesondere wenn die klassische v\u00f6lkerrechtliche Zusammenarbeit durch andere, effizientere Methoden ersetzt wird. Das betrifft z.B. das Prinzip der gegenseitigen Anerkennung in der EU-Strafrechtszusammenarbeit, wo der europ\u00e4ische Haftbefehl die Auslieferung ersetzt, die oft Jahre dauerte, oder die zwischenstaatliche Zusammenarbeit von Staatsanw\u00e4lten mittels Eurojust.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Welche (\u00fcberraschenden) F\u00e4higkeiten ben\u00f6tigen Sie f\u00fcr Ihren Beruf?<\/strong><\/p>\n<p>Die breite deutsche Ausbildung in vielen Rechtsgebieten und das Referendariat sind eine sehr gute Basis. Die Doktorarbeit hilft beim wissenschaftlichen Arbeiten und Austausch. Die in den USA erworbenen F\u00e4higkeiten zu Leadership, Rethorik und Verhandlungen sind t\u00e4glich sehr wichtig. Zus\u00e4tzlich zu guter rechtlicher Analyse und Kreativit\u00e4t, ist politisches Gesp\u00fcr und diplomatisches Geschick wichtig, z.B. f\u00fcr das Verfassen von Dokumenten und Handlungsempfehlungen, Interventionen in Arbeitsgruppen und bei Konferenzen oder Hintergrundgespr\u00e4chen mit MedienvertreterInnen. Es ist auch n\u00f6tig, komplexe Sachverhalte auf Englisch und Franz\u00f6sisch zu analysieren, zu besprechen und auch f\u00fcr Nichtjuristen erkl\u00e4ren zu k\u00f6nnen. Ich muss in der Lage sein, mit vielen verschiedenen Berufsgruppen zu arbeiten, etwa Diplomaten, der Polizei, Staatsanw\u00e4lten, humanit\u00e4ren und Entwicklungsakteuren, Wissenschaftlern, Unternehmen, NGOs, Innen- und Justizministerien, Drittstaaten und internationalen Organisationen. Es ist wichtig, ein Netzwerk und Vertrauen aufzubauen und zu pflegen. Man muss viele Aufgaben und Themen parallel bearbeiten k\u00f6nnen. Au\u00dferdem sind Team-Management, Feedback, Mentoring und Motivation wichtig, und man braucht den Mut, schwierige Themen anzugehen und zu Ende zu bringen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Was w\u00fcrden Sie Ihrem 20-j\u00e4hrigen ich gerne sagen?<\/strong><\/p>\n<p>Studiere und tue die Dinge, die Dich begeistern und interessieren. H\u00f6re Dir viele Ratschl\u00e4ge an, informiere Dich, aber entscheide letztendlich selber, was Du wirklich m\u00f6chtest. Internationale Erfahrungen bereichern pers\u00f6nlich und fachlich. Interdisziplinarit\u00e4t ist ein gro\u00dfes Plus, auch sp\u00e4ter im Beruf, wenn wie bei mir V\u00f6lkerrecht nur ein Aspekt ist. Arbeite an Deinen Kommunikationsf\u00e4higkeiten und lerne, so \u00f6ffentlich zu sprechen, dass es f\u00fcr andere spannend ist und sie gerne zuh\u00f6ren. Genie\u00dfe auch Deine Freizeit, Deine Hobbys und andere, vielseitige Interessen, pflege die Familie und Freundschaften, suche Dir Herausforderungen und lerne Neues, nicht nur im beruflichen Kontext. Ich habe u.a. in einer Tennismannschaft gespielt, als Skilehrerin und Assistentin der Akademieleitung der Deutschen Sch\u00fclerakademien gearbeitet und Reisen und Wochenendseminare f\u00fcr den Club der Ehemaligen der Sch\u00fclerakademien organisiert. Auch dabei habe ich viel gelernt und hatte viel Spa\u00df. Tue etwas f\u00fcr Deine Fitness! Lies viele B\u00fccher. Das Jurastudium verlangt Konzentration. Passe auf, wie viel Zeit Du auf sozialen Medien verbringst and wie viele private Informationen Du dort preisgibst. Mach interessante Praktika, auch im Ausland.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><em>Die in diesem Beitrag vertretenen Meinungen sind ausschlie\u00dflich die der Autorin und keine Positionen des Rates der EU oder des Ratssekretariats.<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Am 15. M\u00e4rz 2021 (12 bis 13 Uhr) ist Frau Dr. Christiane H\u00f6hn der siebte Gast in unserer Gespr\u00e4chsreihe \u201cV\u00f6lkerrechtslunches\u201c. Frau Dr. Christiane H\u00f6hn, LL.M. (Harvard) ist die f\u00fchrende Beraterin des EU-Antiterrorismus-Koordinators beim Rat der EU. 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