{"id":12028,"date":"2021-02-01T14:00:27","date_gmt":"2021-02-01T13:00:27","guid":{"rendered":"https:\/\/voelkerrechtsblog.org\/?p=12028"},"modified":"2021-04-19T22:00:18","modified_gmt":"2021-04-19T20:00:18","slug":"volkerrechtslunch-funf-fragen-an-ra-wolfgang-kaleck-fachanwalt-fur-strafrecht-generalsekretar-des-ecchr","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/voelkerrechtsblog.org\/de\/volkerrechtslunch-funf-fragen-an-ra-wolfgang-kaleck-fachanwalt-fur-strafrecht-generalsekretar-des-ecchr\/","title":{"rendered":"F\u00fcnf Fragen an RA Wolfgang Kaleck"},"content":{"rendered":"<p><em>Am 08. Februar 2021 (12 bis 13 Uhr) ist Herr Rechtsanwalt Wolfgang Kaleck der vierte Gast in unserer Gespr\u00e4chsreihe \u201c<a href=\"https:\/\/voelkerrechtsblog.org\/events\/volkerrechtslunch\/\">V\u00f6lkerrechtslunches<\/a>\u201c. Herr Rechtsanwalt Wolfgang Kaleck ist Fachanwalt f\u00fcr Strafrecht sowie Generalsekret\u00e4r des 2007 von ihm und anderen Anw\u00e4lt*innen gegr\u00fcndeten European Center for Constitutional and Human Rights (ECCHR) in Berlin.<\/em><\/p>\n<p><em>In insgesamt zw\u00f6lf Online-Gespr\u00e4chsterminen laden wir v\u00f6lkerrechtliche Expert*innen aus der Praxis zu einst\u00fcndigen Gespr\u00e4chen ein, in welchen sie in ihren Werdegang sowie ihre jetzige T\u00e4tigkeit Einblick gew\u00e4hren. Anschlie\u00dfend haben Studierende und andere Interessierte die Gelegenheit, Fragen zu Karriere und T\u00e4tigkeit zu stellen (der Veranstaltungshinweis und das Programm sowie die Zugangsdaten f\u00fcr Zoom finden sich <\/em><strong><a href=\"https:\/\/voelkerrechtsblog.org\/articles\/events\/volkerrechtslunch\/\"><em>hier<\/em><\/a><\/strong><em>).\u00a0<\/em><\/p>\n<p><em>Bereits im Vorfeld stand Herr Rechtsanwalt\u00a0Wolfgang Kaleck uns Rede und Antwort:<\/em><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Warum haben Sie sich f\u00fcr eine v\u00f6lkerrechtliche Karriere entschieden?<\/strong><\/p>\n<p>Ich w\u00fcrde meinen eigenen Berufsweg nicht als eine v\u00f6lkerrechtliche Karriere bezeichnen \u2013 im Gegenteil: Als ich in den 80er Jahren an der Universit\u00e4t Bonn studierte, habe ich zwar V\u00f6lkerrechtvorlesungen belegt, hatte aber seinerzeit keine Hoffnung, au\u00dferhalb der damals einzig vorgesehenen internationalrechtlichen Karrieren als Diplomat oder Wirtschaftsanwalt in dem Feld irgendwie t\u00e4tig zu werden. Selbst w\u00e4hrend eines Aufenthaltes als Rechtsreferendar bei der Guatemaltekischen Menschenrechtskommission, die damals im mexikanischen Exil arbeitete, war f\u00fcr mich nicht absehbar, dass ich \u00fcberhaupt in diesem Bereich beruflich\/anwaltlich t\u00e4tig werden k\u00f6nnte. Erst mit Aufnahme meiner T\u00e4tigkeit als Anwalt f\u00fcr die Koalition gegen Straflosigkeit und die anschlie\u00dfenden Verfahren gegen Milit\u00e4rs wegen der argentinischen Diktaturverbrechen 1976 bis 1983 in den Jahren ab 1998 und dann mit der Gr\u00fcndung des ECCHR 2007, spielten das V\u00f6lkerrecht und sp\u00e4ter das V\u00f6lkerstrafrecht eine gr\u00f6\u00dfere Rolle in meiner beruflichen T\u00e4tigkeit<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Was macht das V\u00f6lkerrecht f\u00fcr Sie besonders?<\/strong><\/p>\n<p>Das V\u00f6lkerrecht mag, wie Martti Koskenniemi es ausdr\u00fcckt, zivilisierend wirken, war aber auf der anderen Seite immer auch Teil der Legitimation des imperialistisch-kolonialen Projektes, wie Antony Anghie es formuliert. Spannend fand ich daher weniger diesen ambivalenten Rechtskorpus als vielmehr das internationale Feld.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Was ist die gr\u00f6\u00dfte Herausforderung f\u00fcr das V\u00f6lkerrecht im 21. Jahrhundert?<\/strong><\/p>\n<p>Die neuerliche Erosion des V\u00f6lkerrechts geht nicht nur auf die gewohnte Ignoranz von Russland und anderen autorit\u00e4ren Regimen gegen\u00fcber v\u00f6lkerrechtlichen Normen zur\u00fcck. Vielmehr wurde auch die Bigotterie des Westens in den letzten 10 \u2013 20 Jahren so deutlich, dass viele Staaten die westliche Haltung so lange mit dem V\u00f6lkerrecht kooptierten, wie es den Interessen n\u00fctzt.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Welche (\u00fcberraschende) F\u00e4higkeiten ben\u00f6tigen Sie f\u00fcr Ihren Beruf?<\/strong><\/p>\n<p>Bei meiner jetzigen Berufst\u00e4tigkeit bedarf es eines politischen und intellektuellen Einsch\u00e4tzungsverm\u00f6gens sowie kommunikativer F\u00e4higkeiten \u2013 und ich kann mit Fug und Recht behaupten, dass mir die Universit\u00e4t diese Qualit\u00e4ten eher nicht vermittelt hat.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Was w\u00fcrden Sie Ihrem 20-j\u00e4hrigen ich gerne sagen?<\/strong><\/p>\n<p>Mir liegt es fern, heutigen Jurastudent*innen irgendwelche Ratschl\u00e4ge zu geben. Aber anschlie\u00dfend an meine erste Antwort: F\u00fcr mich war wichtig, dass ich mir die Inhalte, die mich interessieren, selbst und gemeinsam mit anderen auch au\u00dferhalb der Universit\u00e4t angeeignet habe und im \u00dcbrigen offen f\u00fcr nicht vorhersehbare Ver\u00e4nderungen unseres beruflichen Feldes war.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Am 08. Februar 2021 (12 bis 13 Uhr) ist Herr Rechtsanwalt Wolfgang Kaleck der vierte Gast in unserer Gespr\u00e4chsreihe \u201cV\u00f6lkerrechtslunches\u201c. Herr Rechtsanwalt Wolfgang Kaleck ist Fachanwalt f\u00fcr Strafrecht sowie Generalsekret\u00e4r des 2007 von ihm und anderen Anw\u00e4lt*innen gegr\u00fcndeten European Center for Constitutional and Human Rights (ECCHR) in Berlin. 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